Veranstaltungen


AntiRass-Events


Für alle Veranstaltungen gilt: gemäß Paragraph 6 Versammlungsgesetz sind Anhänger oder Vertreter rechter Parteien, Gruppen oder Kameradschaften sowie StörerInnen von der Veranstaltung ausgeschlossen.
Die Veranstaltungen richten sich an Studierende der Universität Trier.


5,50 Meter Projektionsfläche

Die Enthüllung der Karl-Marx-Statue am 5. Mai 2018, der Antikommunismus der Rechten und selbstkritischer Antifaschismus
Vorstellung der gleichnamigen Broschüre und Diskussion | Freitag, 19. Oktober 2018, 19 Uhr | Komplex, Infoladen Trier (Hornstraße 7) | mit den AutorInnen Klara Steinmetz, Niklas Wünsch und Max Gerlach

Trier am 5. Mai 2018: Als die im Stadtzentrum aufgestellte Karl-Marx-Statue made by China endlich ihre rote Haube verliert, bricht die parteiförmige Linke nebenan in kollektive Jubelstürme aus. Nur wenige Meter weiter ist der „Schweigemarsch“ der AfD in scheinbarem Gedenken an die Opfer des Kommunismus angekommen. Triers berühmtes Nazimaskottchen Safet Babic pfeift die offizielle Enthüllungsfeier derweil aus. Dort erweisen wiederum auch die Granden der Sozialdemokratie ihrem Stammvater Marx die seltene Ehre, ihn positiv zu erwähnen, freilich ohne dabei seine Ideen heute noch ernst zu nehmen.

Die Jubellinken projizieren auf Marx also das Bild von der kommunistischen Utopie, die Rechten jenes von den „realsozialistischen“ Dystopien und die Sozen die Vorstellung eines realpolitisch eingehegten Sozialismus im Kapitalismus. Die Bronzestatue bietet seither eine 5,50 Meter hohe Projektionsfläche für Bedürfnisse und Wünsche aller Art.

Gegenstand dieser Broschüre ist das Verhältnis der neuen (AfD) und der alten (NPD) Rechten zu Marx und Marxismus. Über die Beschäftigung mit dem Antikommunismus hinaus weiten wir die Perspektive eingedenk der gegenwärtigen Renaissance des Autoritarismus auf den Umgang mit der AfD überhaupt. Ausgehend von einigen theoretischen Überlegungen skizzieren wir schließlich praktisch-politische Handlungsmöglichkeiten für Antifaschisten.

Die Autorin und die Autoren arbeiten im Referat für Antirassismus und Antifaschismus im AStA der Universität Trier.


Psychologie und Gesellschaft

Eine Einführung in die Kritische Psychologie
Vortrag und Diskussion | Mittwoch, 24. Oktober 2018, 18 Uhr | Universität Trier, E51 | mit Lisa Juliane Schneider

Kritische Psychologie? Das klingt so, als sei die herkömmliche Psychologie gar nicht kritisch. Bei genauerer Betrachtung sehen wir: Tatsächlich, die Theorien traditioneller Psychologie beziehen sich oft nur insofern kritisch aufeinander als sie methodische Mängel benennen. Es fehlt an Diskussionen, die über den Stichprobenumfang und die Größe des Alpha-Fehlers hinaus gehen. Die Kritische Psychologie nimmt sich dieser Lücke an, indem sie Menschen in ihren gesellschaftlichen Zusammenhängen betrachtet; wie sie von der Gesellschaft beeinflusst werden und wie sie wiederum diese Gesellschaft gestalten. Der Vortrag gibt einen ersten Einblick in die Kritische Psychologie und macht Lust auf mehr.

Lisa Juliane Schneider arbeitet in der Abteilung für Allgemeine Psychologie an der Universität Trier und engagiert sich in der studentischen Initiative Kritische Psychologie Trier.


Zur Kritik der Identitätspolitik

Vortrag und Diskussion | Dienstag, 30. Oktober 2018, 18 Uhr | Universität Trier, E51 | mit Stefan Laurin

Die Hinwendung zur Identitätspolitik, Postmaterialismus und Relativismus hat sich für die politische Linke als fatal erwiesen: Linke Parteien verlieren nicht nur in vielen westlichen Ländern Wahlen, sie sind mit ihren Vorstellungen und ihrem Auftritt auch kaum noch anschlussfähig für Menschen aus der Unterschicht und der Arbeiterklasse (Wie immer man die auch definiert). In Zeiten, in denen Rechtsradikalismus und Rechtspopulismus schnell an Bedeutung und Macht gewinnen, fällt die Linke damit als Gegengewicht aus – sie hat ganze soziale Gruppen aufgegeben, die sie nun ihrerseits nicht mehr als Ansprechpartner anerkennen. Spätestens die Trump-Wahl zeigte: „It´s the end of the left as we know it“.

Stefan Laurin arbeitet als freier Journalist unter anderem für Die Welt, Die Welt am Sonntag, die Jüdische Allgemeine, die Jungle World und Correctiv. Nebenbei ist er Herausgeber des Blogs Ruhrbarone. Zum Vortragsthema veröffentlichte er u. a. „Willkommen im Zeitalter der Postidentitätspolitik“, in: Richardt, Johannes (Hg.): Die sortierte Gesellschaft. Zur Kritik der Identitäspolitik. Frankfurt/Main 2018 (Novo Argumente Verlag).


American Psycho

Filmnacht #12 (Nachholtermin)
Filmnacht und Diskussion | Montag, 5. November 2018, 18.30 Uhr | Universität Trier, Studierendenhaus | mit Wolfgang Schmitt | in Kooperation mit dem Referat für Politische Bildung

Patrick Bateman arbeitet an der Wall Street in New York und ist ein wohlhabender, gepflegter und erfolgreicher junger Mann, der sich am Luxus der auslaufenden achtziger Jahre ergötzt. Nur eines unterscheidet ihn von all den anderen Yuppies: Seine zunehmende Lebensleere kompensiert er mit sadistischen Morden, bevorzugt an hübschen Frauen. Immer schwerer fällt Patrick die Unterscheidung zwischen Sein und Schein, nicht einmal von einem Detective läßt er sich aus der Ruhe bringen. Oder will er gar erwischt werden, als seine Amokläufe immer willkürlicher werden? Oder bildet er sich die blutigen Ausbrüche aus seinem exakt exekutierten Alltag nur ein?

Wolfgang Schmitt ist Germanist und u. a. bekannt durch seinen Youtube-Channel https://www.youtube.com/user/Filmanalyse.


Die theoretischen Grundlagen des Rechts- und Linkspopulismus

Es ist keine Anmeldung erforderlich!
Tagesseminar | Donnerstag, 8. November 2018, 11-18 Uhr | ESG Trier, 1. OG (Im Treff 19, Trier) | mit PD Dr. Ingo Elbe

Seminarinhalte:
1) Was ist Populismus? Allgemeine Kriterien 2) Demokratie von rechts? Carl Schmitt als Vordenker des Rechtspopulismus 3) Gibt es einen Linkspopulismus? Die politische Theorie von Chantal Mouffe und Ernesto Laclau 4) Autoritärer Charakter und populistische Agitation. Erklärung und Kritik populistischer Ideologien in der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule

Populistische Bewegungen sind weltweit auf dem Vormarsch. Gegen ‚die korrupten Eliten‘ wird an den ‚wahren Volkswillen‘ appelliert, der nicht durch formale Wahlverfahren ermittelt wird und dessen Inhalt die populistischen Führerinnen und Führer letztlich eigenmächtig und autoritär festlegen. Das Seminar gibt einen Überblick über prominente Theorien des Rechtspopulismus und ihrer linkspopulistischen Gegenspieler. Im Zentrum stehen dabei die Fragen, welche antiparlamentarischen und antidemokratischen Elemente rechtspopulistische Anrufungen des Volkes transportieren, welche Strategien rechtspopulistische Agitatoren verwenden und wie der Aufstieg des Rechtspopulismus überhaupt zu erklären ist. Dabei wird zunächst der Beitrag von Carl Schmitt, dem Vordenker des Rechtspopulismus und einer faschistischen Artikulation des Demokratiebegriffs, untersucht. Auf dieser Grundlage werden die ProtagonistInnen des aktuellen Linkspopulismus, Chantal Mouffe und Ernesto Laclau, vorgestellt, deren Begriff des Politischen und ‚postmarxistische‘ Theorie des Populismus von Bewegungen wie Syriza oder Podemos aufgegriffen wurden. Es wird die Frage gestellt, in welchem Verhältnis diese linkspopulistischen Theorien zum Rechtspopulismus stehen und ob sie eine brauchbare Alternative zu diesem darstellen. Insbesondere das Phänomen einer an Laclau und Mouffe anknüpfenden ideologischen Querfront, einer „productive convergence of the far Right and the far Left“, wie es eine amerikanische Philosophin mit begeisterter Zustimmung ausdrückt, soll kritisch thematisiert werden. Schließlich wird mit Rekurs auf die Theorie des autoritären Charakters von Erich Fromm und Theodor W. Adorno sowie Leo Löwenthals Analyse faschistischer Agitatoren ein weiterer Erklärungsansatz für rechtspopulistische Ideologien, Bewegungen und Strategien vorgestellt, der jeden Populismus als antiemanzipatorisch kritisiert.

PD Dr. Ingo Elbe ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und Privatdozent an der Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg. Letzte Publikationen zum Thema: Paradigmen anonymer Herrschaft. Politische Philosophie von Hobbes bis Arendt. Würzburg 2015; Rezension zu Jan-Werner Müller: Was ist Populismus? Ein Essay. http://www.rote-ruhr-uni.com/cms/Jan-Werner-Muller-Was-ist.html; „Politische Macht, Faschismus und Ideologie. Ernesto Laclaus Auseinandersetzung mit Nicos Poulantzas“. In: A. Hetzel (Hg.): Radikale Demokratie. Zum Staatsverständnis von Chantal Mouffe und Ernesto Laclau. Baden-Baden 2017


Thesen am Tresen #5: Falken Stadtverband Trier

monatliche Kneipe an jedem zweiten Freitag in den Vorlesungsmonaten
Vorstellung und Kneipe | Freitag, 9. November 2018, 19 Uhr | Komplex – Infoladen Trier (Hornstraße 7) | in Kooperation mit: Barnausen, Evolutionäre Humanisten Trier, Referat für Politische Bildung, Falken Stadtverband Trier, Rosa Salon

Bei den Thesen am Tresen stellen sich linkspolitische und humanistische Gruppen vor und geben einen kurzen Einblick in ihre Arbeit. Um 19.15 Uhr folgt jeweils ein kurzer Input in Form einer Gruppenselbstdarstellung (ca. 30 Minuten), anschließend Kneipe. Für Getränke sorgen die gastgebenden Locations, das sind wechselnd der Komplex – Infoladen Trier und der Kulturverein villaWuller.

Dieses Mal stellen sich die Falken Stadtverband Trier vor.


Antisemitismus im Feminismus

Vortrag und Diskussion | Donnerstag, 15. November 2018, 18 Uhr | Universität Trier, B16 | mit Merle Stöver | in Kooperation mit dem Queerfeministischen Frauenreferat

Feminismus stellt eine gesellschaftliche Notwendigkeit dar und muss immer Teil einer Gesellschaftsanalyse- und Kritik sein. Doch mit Blick auf gesellschaftliche Missstände sehen wir das Fortleben antisemitischer Ideologie, die weder vor linken Kontexten noch vor feministischen Gruppierungen und ihren Gesellschaftstheorien Halt macht.

Daher gilt es, die Frage, ob es unter Feminist*innen bzw. im Feminismus Antisemitismus gibt, näher zu untersuchen. Dafür soll sowohl ein historischer Abriss der deutschen Frauen*bewegungen bzw. der feministischen Debatten gegeben werden, es wird der Blick auf aktuelle feministische „Ikonen“ und neue feministische Bündnisse und Theorien gelenkt um anschließend die Frage zu besprechen, ob es Parallelen und strukturelle Gemeinsamkeiten zwischen antisemitischer Ideologie und feministischen Theorien gibt.

Merle Stöver
ist Studentin der Antisemitismusforschung. Sie referiert und publiziert zu Themen rund um Feminismus, Geschlecht und Antisemitismus.


What’s left?

25 Jahre Tumult und Theorie
Austellung, Podiumsdiskussion und Konzert | Freitag, 16. November 2018, 15 Uhr | Universität Trier, Studierendenhaus | in Kooperation mit dem Kulturreferat

Das Referat für Antirassismus und Antifaschismus hat Geburtstag. 1993 wurde es erstmals eingerichtet, jetzt feiern wir 25 Jahre Tumult und Theorie. Es spielen: MyTerror, SHRIMP, Büchse, Robosaurus und Tathandlung. VVK: 5 € (Karten gibt es bei allen unseren Veranstaltungen und im Semester von Mo-Do ab ca. 12.30 Uhr in unserem Büro (Studihaus, Treppe runter, rechts)).

Nachmittags findet eine Podiumsdiskussion statt und ganztägig präsentieren wir Highlights aus dem Referat im Rahmen einer Ausstellung.

Save the date!
Weitere Details folgen.


Hamburger Gitter

Filmvorführung und Diskussion | Donnerstag, 22. November 2018, 18.30 Uhr | Universität Trier, HS3 | mit einem der Filmemacher und Prof. Dr. Mark A. Zöller | in Kooperation mit dem cineasta
Filmvorführung und anschließende Diskussion mit einem der Filmemacher und Professor Mark A. Zöller (Strafrechtler, Universität Trier)

31.000 Polizisten, brennende Autos, 20 Regierungen zu Gast – die Stadt Hamburg scheint traumatisiert. Auch ein Jahr nach dem G20-Gipfel sucht die Polizei noch mit allen Mitteln nach hunderten Verdächtigen, die Politik fordert harte Strafen, die Gerichte leisten Folge und die wenigen kritischen Stimmen verblassen im allgemeinen Ruf nach Law and Order.

17 Interviewpartner aus Polizei, Medien, Wissenschaft, Justiz und Aktivismus ziehen in diesem Film Bilanz. Welche Freiheitsrechte konnten in Hamburg dem Druck standhalten? War dieser Ausnahmezustand der Startschuss für eine neue sicherheitspolitische Normalität?

Auch das Referat für Antirassismus und Antifaschismus blickt sorgenvoll auf den Abbau individueller Freiheiten und demokratischer Grundrechte. Neue Polizeigesetze, Vorratsdatenspeicherung, Staatstrojaner, Massenüberwachung zur „Gefahrenprävention“, Razzien in linken Zentren und bei Hacker-Aktivisten sind Zeugnis einer ins Autoritäre kippenden Gesellschaft.

In der sich an die Filmvorführung anschließenden Diskussion werfen wir einen generellen Blick auf den Ausbau polizeilicher Befugnisse. Uns geht es dabei um die Frage, ob sich Deutschland gegenwärtig sukzessive zum Polizeistaat entwickelt und wenn ja, wie das (auf juristischer und politischer Ebene) konkret vonstatten geht. An der Diskussion nimmt auch der Strafrechtler und Experte für Polizeirecht Prof. Dr. Mark A. Zöller teil. Er treibt im Auftrag der bayerische SPD-Landtagsfraktion die Klage gegen das dortige Polizeiaufgabengesetz (PAG) voran.

Eintritt:
Normalpreis: 2,50€
5er-Karte: 2,00€

Filminfos:
Deutschland 2018
Länge: 76 Minuten
Regie: Marco Hennig, Steffen Maurer

Kurzfilm: Twelfth Man
Trailer:


Die Reform des Islam im deutschen Kontext

Vortrag und Diskussion | Donnerstag, 29. November 2018, 18 Uhr | Universität Trier, B16 | mit Dr. Abdel-Hakim Ourghi

Eine Debatte polarisiert noch immer das Land: Gehört der Islam zu Deutschland oder nicht? Der in Freiburg lehrende Religionswissenschaftler Abdel-Hakim Ourghi bezieht klare Position. Ein Islam der Unterwerfung, der fehlenden Kritikfähigkeit gehört weder zu Deutschland noch zu Europa. Deshalb braucht es eine Reformation des Islam. Deshalb dürfen muslimische Kinder in Deutschland nicht durch den Koranunterricht aus ihrer westlichen Lebenswelt herausgerissen werden. Deshalb muss der politische Einfluss muslimischer Dachverbände und radikaler Imame eingedämmt werden.

Es ist höchste Zeit, die kanonischen Quellen des Islam – den Koran und das Leben des Propheten – reflektiert zu verstehen und zeitgemäß zu interpretieren. Im westlichen Kontext meint dies: die islamische Identität anhand der Vernunft kritisch infrage zu stellen und so den Rahmen für eine grundlegende Islam-Reform abzustecken. In seinem ersten, mit Spannung erwarteten Sachbuch benennt Ourghi Missstände, Chancen und Rezepte für einen weltoffenen und verfassungsloyalen Islam in Deutschland.

„Der Islam der Unterwerfung, der fehlenden Kritikfähigkeit gehört weder zu Deutschland noch zu Europa. Immanuel Kant hat vor mehr als 200 Jahren dazu aufgefordert, den eigenen Verstand ohne fremde Anleitung zu benützen. Genau dies sollten wir Muslime auch in Bezug auf den Islam tun.“ (Abdel-Hakim Ourghi).

Dr. Abdel-Hakim Ourghi ist Islamwissenschaftler an der Pädagogischen Hochschule Freiburg. Seine Forschungsschwerpunkte sind Koranforschung, Sunnitisches Fatwawesen, die Ibaditen in Nordafrika und Islamische Theologie. Im Oktober 2017 hat er 40 Thesen zu einem humanistischen, friedfertigen Islam an die Tür der – sogar für den Verfassungsschutz – islamistischen Dar-as-Salam-Moschee in Berlin geheftet. Zuletzt erschien sein Buch „Reform des Islam: 40 Thesen“ im Claudius-Verlag – Evangelischer Presseverband für Bayern, München 2017.


Nationalsozialismus und Antisemitismus in der arabischen Welt

Vortrag und Diskussion | Donnerstag, 6. Dezember 2018, 18 Uhr | Universität Trier, B16 | mit Dr. Matthias Küntzel

Warum sind Antisemitismus und die Leugnung des Holocaust in den arabischen Ländern signifikant weiter verbreitet, als in anderen Teilen der Welt? Oft wird diese Frage mit einem Hinweis auf Israel, das diesem Judenhass die Munition liefere, beantwortet. Doch diese Antwort greift zu kurz.

Sie ignoriert, dass Nazi-Deutschland seit Mitte 1937 all seine Möglichkeiten nutzte, um den Antisemitismus unter Arabern zu schüren. So wurden die judenfeindlichen Kampagnen der ägyptischen Muslimbrüder bereits zehn Jahre vor der Gründung Israels von Berlin aus finanziert.

Das wichtigste Instrument der Nazis aber war Radio Zeesen, ein südlich von Berlin stationierter Kurzwellensender. Von hier aus wurde die antisemitische Propaganda der Nazis in Länder der muslimischen Welt gesandt: Man sendete in zwei arabischen Dialekten, aber auch auf Persisch, Türkisch und Hindi. Die Propaganda wandte sich an die nicht-alphabetisierte Masse und wurde allabendlich von April 1939 bis April 1945 ausgestrahlt.

Über diese Radiopropaganda und deren Folgen erschienen kürzlich umfangreiche Studien in den USA und in Großbritannien. In Deutschland aber ist über diese Facette der Nazipolitik und dessen mögliche Nach- und Spätwirkungen wenig bekannt.

Dr. Matthias Küntzel ist Politikwissenschaftler und Historiker und lebt in Hamburg. Er ist assoziiertes Mitglied des Vidal Sassoon International Center for the Study of Antisemitism (SICSA) der Hebräischen Universität Jerusalem. Seit 2001 recherchiert und publiziert Küntzel hauptsächlich über Antisemitismus, Antisemitismus im Islam, Islamismus, Islamismus und Nationalsozialismus, Iran sowie die deutsche und europäische Nahost- und Iranpolitik. Sein publizistisches Werk umfasst zahlreiche Monographien und Aufsätze, darunter Djihad und Judenhass (Freiburg, 2002). Küntzels aktuelles Buch Deutschland, Iran und die Bombe. Eine Entgegnung – auch auf Günter Grass erschien 2012 im LIT-Verlag. Für sein Engagement gegen den Antisemitismus wurde er 2011 mit dem Paul Ehrlich – Günther Schwerin Menschenrechtspreis der amerikanischen Anti-Defamation League (ADL) ausgezeichnet.


Kritik der Gemeinwohlökonomie

Nachholtermin
Vortrag und Diskussion | Mittwoch, 12. Dezember 2018, 18 Uhr | Universität Trier, B16 | mit Lothar Galow-Bergemann

Seit den 90er Jahren bezeichnet man als Gemeinwohl Ökonomie jene Konzepte und Wirtschaftsmodelle, die eine Orientierung der Wirtschaft am Gemeinwohl, Kooperation und Gemeinwesen in den Vordergrund stellen. Im Sommersemester 2017 kam Christian Felber, Gründungsmitglied von Attac Österreich und Gemeinwohl Ökonomie Vertreter, sogar an die Universität Trier, um sein Modell des besseren Kapitalismus vorzustellen. Doch ein genauere und kritische Auseinandersetzung lohnt sich: Schon der Begriff des Gemeinwohls ist problematisch. Er ignoriert gesellschaftliche Interessengegensätze und Widersprüche, bildet sich eine alles übergreifende große Gemeinschaft ein und hat eine offene Flanke zur „Volksgemeinschaft“.

Lothar Galow-Bergemann lebt in Stuttgart und hat zwei Kinder. Er arbeitet als Krankenpflegehelfer und ist seit 68 in sozialen Bewegungen und linken Zusammenhängen engagiert. Darüber hinaus ist er Gewerkschafter und Personalrat in einem Klinikum.


Thesen am Tresen #6: Rosa Salon

monatliche Kneipe an jedem zweiten Freitag in den Vorlesungsmonaten
Vorstellung und Kneipe | Freitag, 14. Dezember 2018, 19 Uhr | Kulturverein villaWuller (Ausoniusstraße 2) | in Kooperation mit: Barnausen, Evolutionäre Humanisten Trier, Referat für Politische Bildung, Falken Stadtverband Trier, Rosa Salon

Bei den Thesen am Tresen stellen sich linkspolitische und humanistische Gruppen vor und geben einen kurzen Einblick in ihre Arbeit. Um 19.15 Uhr folgt jeweils ein kurzer Input in Form einer Gruppenselbstdarstellung (ca. 30 Minuten), anschließend Kneipe. Für Getränke sorgen die gastgebenden Locations, das sind wechselnd der Komplex – Infoladen Trier und der Kulturverein villaWuller.

Dieses Mal stellt sich der Rosa Salon vor.


EU-Migrationspolitik: Die Politik der Lager

Vortrag und Diskussion | Donnerstag, 24. Januar 2019, 18 Uhr | Universität Trier, B16 | mit Maximilian Pichl

Spätestens seit dem „Sommer der Migration 2015“ (Kasparek/Speer) ist die Migrationspolitik in der Europäischen Union zu einem zentralen Konfliktfeld geworden. Als Reaktion auf die Fluchtbewegungen verschärften die EU-Mitgliedsstaaten ihre Asylgesetze und die EU-Kommission setzt noch stärker als zuvor auf den Ausbau der Grenzagentur Frontex. Auf dem Rat der Europäischen Regierungschefs vom Juni 2018 wurde zudem ein umfassendes Lagersystem vereinbart: Lager in Nordafrika sollen Geflüchtete davon abhalten, überhaupt die Flucht über das Mittelmeer zu wagen, wobei die libysche Küstenwache durch die EU unterstützt wird; Lager in Europa sollen die Menschen kasernieren und ihnen die Weiterbewegung verwehren. All diesen Lagern liegt eine gleiche Logik zugrunde: Geflüchtete sollen als „Andere“ konstruiert werden, um ihnen grundlegende Rechte zu verwehren.

Der Vortrag behandelt im ersten Abschnitt die gesellschaftlichen Ursachen für die Situation von 2015 und versucht die in der Öffentlichkeit allgegenwärtigen Mythen um eine „Herrschaft des Unrechts“ und die angebliche „Grenzöffnung“ zu widerlegen. Der zweite Abschnitt befasst sich mit den politischen Reaktionen und den Asylrechtsverschärfungen auf nationaler und europäischer Ebene. Der dritte Abschnitt versucht diese Entwicklungen gesellschaftstheoretisch zu reflektieren.

Maximilian Pichl hat Rechtswissenschaft und Politikwissenschaft studiert. Zwischen 2015 bis 2017 war er juristischer Referent von PRO ASYL. Aktuell forscht er an der Universität Kassel zur Europäischen Migrationspolitik.