Veranstaltungen


AntiRass-Events


Für alle Veranstaltungen gilt: gemäß Paragraph 6 Versammlungsgesetz sind Anhänger oder Vertreter rechter Parteien, Gruppen oder Kameradschaften sowie StörerInnen von der Veranstaltung ausgeschlossen.
Die Veranstaltungen richten sich an Studierende der Universität Trier.


Die Reform des Islam im deutschen Kontext

Vortrag und Diskussion | Donnerstag, 29. November 2018, 18 Uhr | Universität Trier, B16 | mit Dr. Abdel-Hakim Ourghi

Eine Debatte polarisiert noch immer das Land: Gehört der Islam zu Deutschland oder nicht? Der in Freiburg lehrende Religionswissenschaftler Abdel-Hakim Ourghi bezieht klare Position. Ein Islam der Unterwerfung, der fehlenden Kritikfähigkeit gehört weder zu Deutschland noch zu Europa. Deshalb braucht es eine Reformation des Islam. Deshalb dürfen muslimische Kinder in Deutschland nicht durch den Koranunterricht aus ihrer westlichen Lebenswelt herausgerissen werden. Deshalb muss der politische Einfluss muslimischer Dachverbände und radikaler Imame eingedämmt werden.

Es ist höchste Zeit, die kanonischen Quellen des Islam – den Koran und das Leben des Propheten – reflektiert zu verstehen und zeitgemäß zu interpretieren. Im westlichen Kontext meint dies: die islamische Identität anhand der Vernunft kritisch infrage zu stellen und so den Rahmen für eine grundlegende Islam-Reform abzustecken. In seinem ersten, mit Spannung erwarteten Sachbuch benennt Ourghi Missstände, Chancen und Rezepte für einen weltoffenen und verfassungsloyalen Islam in Deutschland.

„Der Islam der Unterwerfung, der fehlenden Kritikfähigkeit gehört weder zu Deutschland noch zu Europa. Immanuel Kant hat vor mehr als 200 Jahren dazu aufgefordert, den eigenen Verstand ohne fremde Anleitung zu benützen. Genau dies sollten wir Muslime auch in Bezug auf den Islam tun.“ (Abdel-Hakim Ourghi).

Dr. Abdel-Hakim Ourghi ist Islamwissenschaftler an der Pädagogischen Hochschule Freiburg. Seine Forschungsschwerpunkte sind Koranforschung, Sunnitisches Fatwawesen, die Ibaditen in Nordafrika und Islamische Theologie. Im Oktober 2017 hat er 40 Thesen zu einem humanistischen, friedfertigen Islam an die Tür der – sogar für den Verfassungsschutz – islamistischen Dar-as-Salam-Moschee in Berlin geheftet. Zuletzt erschien sein Buch „Reform des Islam: 40 Thesen“ im Claudius-Verlag – Evangelischer Presseverband für Bayern, München 2017.


Refugees erzählen ihre Geschichten

Erfahrungsberichte | Montag, 3. Dezember 2018, 18 Uhr | Universität Trier, Studierendenhaus | mit Geflüchteten | in Kooperation mit dem Multikulturellen Zentrum Trier e.V.

Im gesellschaftlichen Diskurs wird meistens nur über, aber nicht mit Geflüchteten gesprochen. Daher möchten wir den Marginalisierten eine Stimme und ein Gesicht geben. Auf der Veranstaltung berichten Geflüchtete von ihren Erfahrungen der Flucht, der Vertreibung und ihrer Ankunft in Deutschland, über Rassismus und Alltagsprobleme und ihre Sicht auf ein neues Leben.
Moderation: Multikulturelles Zentrum Trier


Nationalsozialismus und Antisemitismus in der arabischen Welt

Vortrag und Diskussion | Donnerstag, 6. Dezember 2018, 18 Uhr | Universität Trier, B16 | mit Dr. Matthias Küntzel

Warum sind Antisemitismus und die Leugnung des Holocaust in den arabischen Ländern signifikant weiter verbreitet, als in anderen Teilen der Welt? Oft wird diese Frage mit einem Hinweis auf Israel, das diesem Judenhass die Munition liefere, beantwortet. Doch diese Antwort greift zu kurz.

Sie ignoriert, dass Nazi-Deutschland seit Mitte 1937 all seine Möglichkeiten nutzte, um den Antisemitismus unter Arabern zu schüren. So wurden die judenfeindlichen Kampagnen der ägyptischen Muslimbrüder bereits zehn Jahre vor der Gründung Israels von Berlin aus finanziert.

Das wichtigste Instrument der Nazis aber war Radio Zeesen, ein südlich von Berlin stationierter Kurzwellensender. Von hier aus wurde die antisemitische Propaganda der Nazis in Länder der muslimischen Welt gesandt: Man sendete in zwei arabischen Dialekten, aber auch auf Persisch, Türkisch und Hindi. Die Propaganda wandte sich an die nicht-alphabetisierte Masse und wurde allabendlich von April 1939 bis April 1945 ausgestrahlt.

Über diese Radiopropaganda und deren Folgen erschienen kürzlich umfangreiche Studien in den USA und in Großbritannien. In Deutschland aber ist über diese Facette der Nazipolitik und dessen mögliche Nach- und Spätwirkungen wenig bekannt.

Dr. Matthias Küntzel ist Politikwissenschaftler und Historiker und lebt in Hamburg. Er ist assoziiertes Mitglied des Vidal Sassoon International Center for the Study of Antisemitism (SICSA) der Hebräischen Universität Jerusalem. Seit 2001 recherchiert und publiziert Küntzel hauptsächlich über Antisemitismus, Antisemitismus im Islam, Islamismus, Islamismus und Nationalsozialismus, Iran sowie die deutsche und europäische Nahost- und Iranpolitik. Sein publizistisches Werk umfasst zahlreiche Monographien und Aufsätze, darunter Djihad und Judenhass (Freiburg, 2002). Küntzels aktuelles Buch Deutschland, Iran und die Bombe. Eine Entgegnung – auch auf Günter Grass erschien 2012 im LIT-Verlag. Für sein Engagement gegen den Antisemitismus wurde er 2011 mit dem Paul Ehrlich – Günther Schwerin Menschenrechtspreis der amerikanischen Anti-Defamation League (ADL) ausgezeichnet.


Gut gemeint reicht nicht. Zur Kritik der „Gemeinwohlökonomie“.

Warum man anders wirtschaften muss, das aber mit der Marktwirtschaft nicht geht (Nachholtermin)
Vortrag und Diskussion | Mittwoch, 12. Dezember 2018, 18 Uhr | Universität Trier, B16 | mit Lothar Galow-Bergemann

Dass unsere gegenwärtige Art zu wirtschaften perspektivlos und letztlich selbstzerstörerisch ist, ist fast schon eine Binsenweisheit. Es mangelt nicht an Vorschlägen, wie dem zu entkommen sei. In aller Regel münden sie in Rezepten für eine „andere Politik“ und geben damit zu erkennen, dass sie keine Vorstellung von der Dominanz der Ökonomie haben. Nur die wenigsten machen sich auf die Suche nach einer anderen Wirtschaft. Christian Felbers Konzept einer „Gemeinwohlökonomie“ hebt sich insofern wohltuend von vielem ab. Allerdings verbleibt auch dieser Vorschlag im Gedankengefängnis der herrschenden Produktionsweise und wird seinem eigenen Anspruch nicht gerecht. Wer glaubt, aus dem schlechten Kapitalismus mithilfe von „Lobby-Registern“, „demokratischen Banken“ und „Gemeinwohlpunkten“ eine gute Marktwirtschaft machen zu können, muss scheitern.

Warum Staat und Politik nicht mit dem Geld machen können, was sie wollen. Warum das Bankenwesen systemrelevant ist und nicht „demokratisiert“ werden kann. Warum Marktwirtschaft ein anderes Wort für Kapitalismus ist und es keinen Kapitalismus ohne Zwang zu Maximalprofit und ewigem Wachstum geben kann. Warum die Politik nicht nach Gutdünken die Regeln der Kapitalverwertung diktieren und die kapitalistische Realwirtschaft ohne gigantischen Finanzsektor nicht mehr existieren kann. Warum der Staat nicht die Lösung, sondern Teil des Problems ist und Marktwirtschaft und bürokratische Planwirtschaft keine wirklichen Gegensätze sind.

Warum man statt von „Gemeinwohl“ besser vom Guten Leben für alle Menschen reden sollte und warum wir das mit der heutigen Produktivität durchaus verwirklichen könnten. Aber nur, wenn wir über den Tellerrand von Markt und Kapital hinausblicken und neue Wege zur Aneignung des stofflichen Reichtums gehen.

Lothar Galow-Bergemann war Personalrat in zwei Großkliniken. Heute schreibt er u.a. für konkret, Jungle World und www.emafrie.de


Thesen am Tresen #6: Rosa Salon

monatliche Kneipe an jedem zweiten Freitag in den Vorlesungsmonaten
Vorstellung und Kneipe | Freitag, 14. Dezember 2018, 19 Uhr | Kulturverein villaWuller (Ausoniusstraße 2) | in Kooperation mit: Barnausen, Evolutionäre Humanisten Trier, Referat für Politische Bildung, Falken Stadtverband Trier, Rosa Salon

Bei den Thesen am Tresen stellen sich linkspolitische und humanistische Gruppen vor und geben einen kurzen Einblick in ihre Arbeit. Um 19.15 Uhr folgt jeweils ein kurzer Input in Form einer Gruppenselbstdarstellung (ca. 30 Minuten), anschließend Kneipe. Für Getränke sorgen die gastgebenden Locations, das sind wechselnd der Komplex – Infoladen Trier und der Kulturverein villaWuller.

Dieses Mal stellt sich der Rosa Salon vor.


EU-Migrationspolitik: Die Politik der Lager

Vortrag und Diskussion | Donnerstag, 24. Januar 2019, 18 Uhr | Universität Trier, B16 | mit Maximilian Pichl

Spätestens seit dem „Sommer der Migration 2015“ (Kasparek/Speer) ist die Migrationspolitik in der Europäischen Union zu einem zentralen Konfliktfeld geworden. Als Reaktion auf die Fluchtbewegungen verschärften die EU-Mitgliedsstaaten ihre Asylgesetze und die EU-Kommission setzt noch stärker als zuvor auf den Ausbau der Grenzagentur Frontex. Auf dem Rat der Europäischen Regierungschefs vom Juni 2018 wurde zudem ein umfassendes Lagersystem vereinbart: Lager in Nordafrika sollen Geflüchtete davon abhalten, überhaupt die Flucht über das Mittelmeer zu wagen, wobei die libysche Küstenwache durch die EU unterstützt wird; Lager in Europa sollen die Menschen kasernieren und ihnen die Weiterbewegung verwehren. All diesen Lagern liegt eine gleiche Logik zugrunde: Geflüchtete sollen als „Andere“ konstruiert werden, um ihnen grundlegende Rechte zu verwehren.

Der Vortrag behandelt im ersten Abschnitt die gesellschaftlichen Ursachen für die Situation von 2015 und versucht die in der Öffentlichkeit allgegenwärtigen Mythen um eine „Herrschaft des Unrechts“ und die angebliche „Grenzöffnung“ zu widerlegen. Der zweite Abschnitt befasst sich mit den politischen Reaktionen und den Asylrechtsverschärfungen auf nationaler und europäischer Ebene. Der dritte Abschnitt versucht diese Entwicklungen gesellschaftstheoretisch zu reflektieren.

Maximilian Pichl hat Rechtswissenschaft und Politikwissenschaft studiert. Zwischen 2015 bis 2017 war er juristischer Referent von PRO ASYL. Aktuell forscht er an der Universität Kassel zur Europäischen Migrationspolitik.