Copyright by TVStud Berlin

(c) Copyright by TVStud Berlin

 

Seit einigen Wochen sind die streikenden Studierenden aus Berlin des Öfteren medial präsent. Streikende Studis? Klingt zunächst ungewohnt, hat aber gute Gründe. Ihnen geht es um angemessenen Lohn für studentische Beschäftigte und sie wollen Vorbild für den Kampf um Tarifverträge für diese Gruppe sein. Wir haben mit Franziska* von der Kampagne TVStud Berlin gesprochen.

HoPo: Wer seid ihr und was wollt ihr?

TVStud: Wir sind eine Kampagne, die hauptsächlich von Gewerkschaften getragen wird – GEW und verdi -, aber auch Hochschulgruppen und diverse unabhängige Studis unterstützen uns. Der Tarifvertrag existiert in seiner jetzigen Form seit 18 Jahren und soll neu und besser ausgehandelt werden und insbesondere eine Lohnerhöhung beinhalten.

Hopo: Wer sind eure Tarifpartner und was sind deren Positionen?

TVStud: Alle Unis, außer der FU, sind nicht mehr Mitglieder des Kommunalen Arbeitgeberverbands (KAV). Aus diesem Grund müssten wir eigentlich mit diesen einzeln verhandeln. Die Hochschulen haben jedoch eine Verhandlungsgemeinschaft gegründet, die vom KAV geleitet werden. Es sind fünf Verhandlungsrunden gelaufen. Die Arbeitgeber*innenseite bot uns zuerst eine Dynamisierung des Tarifvertrags an, die an den TV-L gekoppelt sein soll. Das letzte konkrete Angebot war folgende Lohnerhöhung: Ab dem 01.01.2018 12,13 Euro, ab dem 01.01.2020 12,35 Euro und ab dem 01.01.2022 12,50 Euro. Auch eine Erhöhung der Länge der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall um zwei auf acht Wochen und eine Verlängerung des Urlaubsanspruchs wurde als Angebot unterbreitet. Dieses Angebot wurde von uns abgelehnt. Eine Laufzeit von fünf Jahren, während derer unsere Urspungsforderung von 14 Euro nicht erreicht wird, war für uns nicht tragbar.

Hopo: Wie geht es weiter, wenn ihr eure Ziele erreicht haben solltet? Wollt ihr eine Bewegung sein/werden, der es um mehr als „nur“ um Lohn und Tarfbindung geht?

TVStud: Ich denke, man muss Kompromisse finden, auch wenn man in Verhandlungen zurückkehrt. Das dürfte auch den Meisten klar sein. Wir groß diese Kompromisse sein müssten, hängt maßgeblich von unserer Durchsetzungsfähigkeit ab. Es gibt unterschiedliche Ansätze in unserer Kampagne. Wir versuchen, viele Interessen zu berücksichtigen. Auch Befristung in der Wissenschaft ist beispielsweise ein großes Thema. Wir sind vernetzt mit der Initiative Mittelbau und wollen ein Leuchtturm für andere Bundesländer sein, um für Tarifbindung zu kämpfen. Wir können aber nicht alle Probleme im Wissenschaftsbetrieb beseitigen. Auch muss man konstatieren, dass viele von uns das Ganze seit zwei Jahren machen. Irgendwann müssen auch andere das Thema angehen.

Hopo: Wie hoch ist der Anteil der studentischen Beschäftigten, die sich an den Streiks und Protesten beteiligen?

TVStud: Das lässt sich sehr schwer sagen. Zum Teil sind es interne Zahlen, oft ist es aber auch nicht messbar. Viele streiken zum ersten Mal und tragen sich nicht in Streiklisten ein. Fest steht, wir müssen mehr werden, wenn unser Arbeitskampf eskalativer werden und der Streik länger andauern soll. Wir sind außerdem auf solidarische Studierende angewiesen. Alles in Allem hängt es von vielen Faktoren ab, wie hoch die Beteiligung ist und es lässt sich daher schwer einschätzen. Die Beteiligung kann und muss mehr werden, ist aber bereits ein erster Erfolg und es hätte schlimmer kommen können (lacht).

Hopo: Hofft ihr, dass eure Aktionen Vorbild für Hochschulen in anderen Bundesländern sein könnten/sollten?

TVStud: Ja, definitiv. Zwar ist unser Tarifvertrag veraltet, schreibt aber Regelungen fest, die über die normalen Arbeitsgesetze hinausgehen. Beispielsweise haben wir mehr Urlaubsanspruch, längere Kündigungsfristen, relativ lange Vertragslaufzeiten und so weiter. Wir wollen, dass sich daran Leute orientieren und ähnliche Kampagnen für Tarifverträge starten können. Die Problemlage ist in anderen Bundesländern schließlich ähnlich.

HoPo: Möchtest du den Leser*innen noch etwas mitteilen?

TVStud: Viele Leute müssen sich beteiligen und nur so werden Unis uns ernst nehmen. Das ist in allen Bundesländern so. Geschenkt bekommt leider niemand etwas, deshalb Arsch hoch!

 

 

*Franziska ist 24 Jahre alt und studiert an der Humboldt Universität zu Berlin den Masterstudiengang Sozialwissenschaften. Sie arbeitet seit 2014 an der Uni. Zunächst in der Bibliothek, später war sie auch Personalrätin. Seit Oktober 2017 arbeitet sie an einem Forschungsprojekt an der Technischen Universität Berlin. Seit zwei Jahren ist sie an der Kampagne TVStud Berlin beteiligt.