Veranstaltungen


AntiRass-Events


Für alle Veranstaltungen gilt: gemäß Paragraph 6 Versammlungsgesetz sind Anhänger oder Vertreter rechter Parteien, Gruppen oder Kameradschaften sowie StörerInnen von der Veranstaltung ausgeschlossen.
Die Veranstaltungen richten sich an Studierende der Universität Trier.


Harry Potter, TKKG und Popmusik. Zur Kritik des Postnazismus

17_PostnazismusTagung | Samstag, 2. September 2017, 14.00-19.30 Uhr | Uni Trier, A9/10 | mit Melanie Babenhauserheide, Dierck Wittenberg, Volker Beeck und Jean-Philipp Baeck | in Kooperation mit dem Queerfeministischen Frauenreferat und dem Referat Ausländischer Studierender

Der Begriff des Postnazismus versucht die Tatsache zu fassen, dass 1945 zwar dem Morden ein Ende bereitet wurde, die vielbeschworene „Stunde Null“ aber nicht stattgefunden hat. In den nachnationalsozialistischen Demokratien wirkten bzw. wirken zentrale NS-Ideologien nach (Sitchwortartig umrissen: Antisemitismus, Antiamerikanismus und Antibolschewismus, ein ausgeprägtes Freund-Feind-Denken, die Fixierung auf den Staat und die Obrigkeit, Konformismus und übertriebene Harmoniesucht, Autoritarismus und Antipluralismus, Antiintellektualismus und Irrationalismus, preußische Ordnungsliebe und die Schwäche der Männer für militärische Disziplin), was sich auch an der (Pop-)kultur aufzeigen lässt. Der Frage inwiefern diese Ideologien auch noch heute noch nachleben möchten wir mit dieser Tagung nachgehen – an Hand von drei Beispielen.

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ungefährer Zeitplan:
(I) 14.15 – 15.45 Uhr: Dierck Wittenberg (Popmusik/Fußball-WM)
(II) 16.00 – 17.30 Uhr: Volker Beeck / Jean-Philipp Baeck (TKKG)
(III) 17.45 – 19.15 Uhr: Melanie Babenhauserheide (Harry Potter)
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(I) Von der Irritation zum Einklang? Über Subversion in der Popkultur und ihr Verschwinden

Seit seinen Anfängen als Jugendkultur war Pop ein Geschäftsfeld, in dem Versprechen von Glück und Freiheit gehandelt wurden. Diesen Versprechen folgend trat Popmusik immer wieder auch in Opposition zu überkommenen Normen, insbesondere zur spießigen Sexualmoral der fünfziger und sechziger Jahre – ein widerständig-irritierendes Potenzial, dem im Nachkriegsdeutschland eine besondere Sprengkraft zukam. Das scheint Popmusik inzwischen aber weitgehend eingebüßt zu haben. Dieser Veränderung, ihren Gründen und wie sie m.E. beispielhaft in den Musikevents rund um die Fußballweltmeisterschaft 2006 zum Ausdruck kam, will ich in meinem Vortrag nachgehen.

Dierck Wittenberg ist Politik- und Kulturwissenschaftler. Veröffentlichungen u.a.: „Die Mühlen des Rock und die Diskurse des Pop. Überlegungen zum Schreiben über Popmusik in Intro, Spex und Visions“, in: Jochen Bonz / Michael Büscher / Johannes Springer (Hg.): Popjournalismus. Mainz 2005 (Ventil). Zusammen mit Eric Peters: „Stars Down to Earth. Über das Verhältnis von Pop, Nation und Künstlersubjekt in Zeiten neuen deutschen Selbstbewusstseins“, in: Kittkritik (Hg.): Deutschlandwunder. Wunsch und Wahn in der postnazistischen Kultur, Mainz 2007 (Ventil), „Todes-Folgen. Einige Beobachtungen zum Tod in Six Feet Under“, in: Extrablatt. Zeitschrift aus Gründen gegen fast Alles“ Nr. 8 (2012).

(II) Mit Judo gegen Wodka Bruno, Miethai Zinse und Dr. Mubase. TKKG – ein postnazistischer Jugendkrimi

In Buch- und Hörspielform macht im deutschen Jugendkrimi „TKKG“ der Bandenchef Tarzan seit 1979 seine Gefolgsleute durch geistige und körperliche Überlegenheit überflüssig. Gottgleich ist er für die jugendlichen Leser weniger Identifikationsfigur als virtueller Führer. Zur Aufrechterhaltung der gesellschaftlichen Ordnung löst Tarzan seine Fälle mit Hilfe des Faustrechts, verprügelt die, durch Hakennasen oder fremde Namen gekennzeichneten Dealer und andere Bösewichte. Der Beitrag zeigt, inwiefern TKKG Prototyp eines postfaschistischen Kinderkrimis ist und geht auf den Subjektverfall in der postfaschistischen Gesellschaft, anhand des Geschlechterverhältnisses zwischen Gabi und Tarzan, den rassistischen und antisemitischen Bedrohungszenarien einer Welt voll dunkler Machenschaften ein, in der sich die Masse nur durch Anlehnung an einen Führer wie Tarzan behaupten kann.

Volker Beeck lebt in Berlin. Er ist Redaktionsmitglied der Zeitschrift „Extrablatt – Aus Gründen gegen fast alles“. Dort wird in der neuen in Kürze erscheinenden Ausgabe sein gemeinsam mit Moritz Strickert verfasster Text „Geborgen, verbunden, artgerecht – zur Kritik des Attachment Parenting“
Jean-Philipp Baeck ist Soziologe und Kulturwissenschaftler. Zusammen mit Volker Beeck hat er einen gleichnahmigen Aufsatz veröffentlicht. In: Kittkritik (Hg.): Deutschlandwunder. Wunsch und Wahn in der postnazistischen Kultur, Mainz 2007 (Ventil).

(III) Von Familienstolz, magischem Blut und Bank-Kobolden. Harry Potter und das Erbe des Nationalsozialismus

Auf den ersten Blick gibt sich die Harry Potter-Reihe antifaschistisch: Abstammungslogik und Blutsreinheitsphantasien werden nicht nur oberflächlich durch den Plot über den Oberbösewicht und seine AnhängerInnen als bekämpfenswert dargestellt, sondern mit repressiven, einengenden und patriarchalen Familienstrukturen verknüpft, deren literarische Problematisierung an die Ablösungswünsche der adoleszenten LeserInnenschaft rühren. Zugleich fallen jedoch bei genauerer Analyse Widersprüche der Erzählung auf, die gegenläufige Tendenzen erkennen lassen: Es erweist sich daher als problematisch, wenn etwa die Romane von PädagogInnen unvermittelt als Aufhänger für eine Auseinandersetzung mit Antisemitismus, Rassismus und Nazismus herangezogen werden.

Melanie Babenhauserheide ist Erziehungswissenschaftlerin an der Universität Bielefeld und hat zur Ideologie in der Harry Potter-Reihe promoviert.


Populismus als strategische Option?

Der Angriff der Antidemokraten und wie man ihm begegnen sollte.
Populismus_SalzbornVortrag | Mittwoch, 1. November 2017, 18 Uhr | Uni Trier, A9/10 | mit Prof. Dr. Samuel Salzborn

ACHTUNG! Wegen Feiertag ist die Universität geschlossen. Zugang ist ausschließlich über den Haupteingang im A-Gebäude (der Eingang direkt am Informationspunkt / beim AB-Cafe) ab 17.30 Uhr möglich!

Seit Jahrzehnten zeigen empirische Untersuchungen, dass es in Deutschland einen konstanten Anteil von etwa einem Fünftel Antisemit*innen und einem Viertel Rassist*innen gibt. Kurzfristig können sich die Werte ändern, der antiaufklärerische Bodensatz ist aber stabil. Die meisten dieser Menschen fallen im Alltag nicht durch politische Aktivitäten auf, das Etikett »rechtsextrem« würden sie weit von sich weisen. Völkisch-nationalistische Einstellungen vertretend und Verschwörungstheorien anhängend, sind ihnen kritisches und rationales Denken genauso verhasst wie Gleichberechtigung. Diese Klientel hat in der AfD ihre politische Heimat gefunden. Die Partei vereinigt das gesamte antiaufklärerische Ressentiment in sich und wird dennoch im dominanten Diskurs nicht als rechtsextrem klassifiziert. Pointiert formuliert, gründet der Erfolg der AfD in dem Wunsch, rechtsextreme Positionen zu artikulieren, ohne »Nazi« genannt zu werden.

Ausgehend von dieser These wird entfaltet, in welchem Verhältnis Rechtsextremismus und Rechtspopulismus zueinander stehen, wie sie voneinander abzugrenzen und welche (fließenden) Übergänge auszumachen sind. Zu analysieren ist in diesem Kontext auch, wie sich die wie sich die rechten Homogenitätsfantasien aus völkischem Nationalismus, Rassismus, Antisemitismus und Antifeminismus gegen den Wesenskern der Demokratie, die Freiheit und Gleichheit der Menschen, stellen. Auf Basis dieser Analysen wird abschließend der Blick auf sinnvolle Strategien im Umgang mit der AfD gerichtet.

Prof. Dr. Samuel Salzborn ist apl. Professor am Institut für Politikwissenschaft der Universität Gießen. Veröffentlichungen u.a. »Angriff der Antidemokraten. Die völkische Rebellion der Neuen Rechten«, »Rechtsextremismus. Erscheinungsformen und Erklärungsansätze«, »Antisemitismus: Geschichte, Theorie, Empirie« und »Antisemitismus als negative Leitidee der Moderne. Sozialwissenschaftliche Theorien im Vergleich«.


Gedenkstättenfahrt ins ehemalige Vernichtungslager Auschwitz

Anmeldung per E-Mail erforderlich! / 50€ Selbstbeteiligung und Verpflegung auf eigene Kosten vor Ort
gedenkstaettenfahrtauschwitzVorbereitungsveranstaltung und Fahrt | Mittwoch, 19. Juli 2017, 18 Uhr (B17) und Donnerstag, 20. Juli 2017, 11 Uhr (C-Parkplatz) | mit Dr. Thomas Grotum (FB III – Neuere und Neueste Geschichte) | in Kooperation mit dem Autonomen Referat für schwule, trans* und queere Identitäten, dem Queerfeministischen Frauenreferat, dem Autonomen Referat Ausländischer Studierender, dem Referat für politische Bildung, dem Autonomen Referat Behinderter und chronisch Kranker und dem Kulturreferat.

Um euch für die Fahrt anzumelden, sendet ihr bitte eine kurze und formlose Mail an astaanti[äht]uni-trier.de und teilt uns dort euren Namen und eure Matrikelnummer mit; bitte teilt uns auch mit, ob ihr schon einmal an einer ähnlichen Fahrt teilgenommen habt und wenn ja, in welcher Form.

Bitte beachtet, dass die Anmeldung bindend ist!

Für Mitreisende wird aufgrund der hohen Kosten eine Teilnehmerpauschale in Höhe von 50 Euro erhoben. Zusätzlich fallen kleinere Fahrtkostenbeträge in Polen selbst sowie Verpflegungskosten an (Frühstück ist in unserer Pension inbegriffen). Die Teilnehmerpauschale wird auf der Vorbesprechungen am 27. Juli fällig (Im Härtefall können die 50 Euro auch in einer unserer Sprechstunden nachgereicht werden; bitte kündigt dies so früh wie möglich an).

Insgesamt können an der Gedenkstättenfahrt 11 Studierende teilnehmen, also sendet uns bitte möglichst bald eine Email. Sollten mehr Bewerberinnen als vakante Plätze existieren, sind wir leider gezwungen zu losen.

Das Programm könnt ihr hier herunterladen [PDF]. Das Programm ist dabei – bis auf wenige, als solche gekennzeichnete Ausnahmen – verpflichtend!

Wir freuen uns auf eure Teilnahme!


Doof geboren ist keiner

Zum feministischen Verrat am Universalismus der Freiheit
MagnusKlaueVortrag | Freitag, 27. Oktober 2017, 18 Uhr | Universität Trier, B14 | mit Dr. Magnus Klaue

Wer die „feministischen“ Wortäußerungen in poplinken Leitmedien wie „Jungle World“ oder „Missy Magazine“ verfolgt, gewinnt den Eindruck, dass die gendertheoretisch geschulte Generation der unter 40jährigen alles dafür tut, Arthur Schopenhauer recht zu geben, der „die Weiber“ als „kindisch, läppisch und kurzsichtig“ diffamierte. Überhaupt stellt sich, was unter dem Label des Genderfeminismus von der Frauenbewegung übrig geblieben ist, als Recycling misogyner Theoreme des 19. Jahrhunderts dar. Die Idee, Studenten „Studierende“ zu nennen, stammt vom Erfinder des „geschlossenen Handelsstaates“, Johann Gottlieb Fichte, der damit den aufbauend-produktiven Charakter deutscher Geistesarbeit hervorheben wollte; die Obsession mit bösen, aus der Sprache zu tilgenden Wörtern teilen die Genderfeministen mit Sprachreinigern des Kaiserreichs, mit denen sich die meisten von ihnen im Hass auf die Juden einig sind; und der Puritanismus, in dem sie sich im Kampf gegen Bikini-Werbung und „männlichen Blick“ mit Islamisten gegen die Opfer moslemischer Männergewalt verbünden, lässt den Viktorianismus als Hort der Humanität erscheinen. Die Preisgabe des Universalismus kommt dabei in der Sprache zu sich selbst. Während der bessere Teil der Zweiten Frauenbewegung, insbesondere die um die Zeitschrift „Die schwarze Botin“ versammelte Autorinnengruppe, eine „kalte“, sarkastische Diktion pflegte, die sich nicht zuletzt gegen den Gefühls- und Authentizitätskult des Schwestern-Feminismus wandte, sind deren Enkelinnen stolz darauf, weder Syntax noch Grammatik zu beherrschen, feiern die Einheit von Weiblichkeit, Dummheit und Stolz und halten es für Ideologiekritik, komplexen Satzbau als patriarchal zu entlarven.

Gegen solchen Geistesschutt soll der Vortrag daran erinnern, was die Zweite Frauenbewegung zwar nie in ihrer Mehrheit, aber mindestens am Rande auch war: Kritik am schon damals reaktionären feministischen Mainstream, und damit an allem, was heute von linken Kulturbetriebsnudeln abgefeiert wird: am Kult um „weibliches Schreiben“, an der Behauptung, Frauen verkörperten das „Andere“ des „männlichen Logos“, also eine Art lustig-chaotische Unvernunft, sowie an der Unterstellung, alle Mitglieder des weiblichen Geschlechts hätten allein durch diese Mitgliedschaft etwas Wesentliches gemeinsam. Demgegenüber einte die intelligenten Protagonisten der Zweiten Frauenbewegung das Bemühen, sich im Denken, Schreiben und Handeln an den avanciertesten Zeugnissen der westlichen Zivilisation zu messen, die aus Gründen, die der Geschichte jener Zivilisation inhärent sind, in der Hauptsache von Männern stammen. Dieses Bemühen schlug sich nicht nur in einer von weiblichen Autoren geschaffenen, aber eben nicht „weiblichen“ literarischen Moderne nieder, deren Protagonistinnen (von Friederike Mayröcker über Elfriede Jelinek bis Irmtraud Morgner, Gisela Elsner und Ingeborg Bachmann) unterschiedlichsten Generationen und Traditionen angehörten und deren Werke Genderfeministinnen meist nur vom Hörensagen kennen, sondern auch in einer Geschlechterforschung, die der Kritischen Theorie verpflichtet gegen jenen „Differenzfeminismus“ anging, dessen Verfallsform heute den Kulturbetrieb dominiert. Der emanzipative Impuls dieser Tradition wirkte bis in populäre Formen wie die anarcho-individualistischen Stücke des Grips-Theaters aus den 70er Jahren, deren Lieder mit Titeln wie „Wer sagt, dass Mädchen dümmer sind, der spinnt“ heute von grün-islamischen Elternbeiräten als eurozentrische Propaganda verdammt würden. In diesem Impuls lebte, gerade weil er die Erinnerung daran bewahrte, dass auch westeuropäische Denker vor nicht allzu langer Zeit ernsthaft die Frage diskutierten, „ob die Weiber Menschen seien“, die Idee der einen Menschheit fort. Der Post-, Pop- und Genderfeminismus dagegen antwortet auf eine gesellschaftliche Konstellation, die jene Idee nur noch als Hybris kennt, während die Mischung aus pampiger Wut, stolzer Borniertheit und permanentem Beleidigtsein, die die neuen Feministinnen als Soft Skills bei der Bewerbung um die sichersten Posten der Zivilgesellschaft in Anschlag bringen, zur passgenauen Charaktermaske des Staatsbürgers auf der Höhe der Zeit geworden ist. Wer solche gesellschaftliche Formierung bekämpfen will, muss notwendig auch bekämpfen, was heute Feminismus heißt.

Dr. Magnus Klaue ist seit 2015 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Simon-Dubnow-Institut an der Universität Leipzig. Er hat Germanistik, Philosophie, Theater- und Filmwissenschaft an der FU Berlin studiert und wurde 2008 mit seiner Dissertation »Poetischer Enthusiasmus. Else Lasker-Schülers Ästhetik der Kolportage« zum Dr. phil. promoviert. Von 2008 bis 2014 arbeitete er als freier Autor, Lektor und Redakteur in Berlin (u.a. für die Jungle World, konkret, Bahamas und FAZ).


Die theoretischen Grundlagen des Rechts- und Linkspopulismus

PopulismusTagesseminar | Mittwoch, 15. November 2017, 11-18 Uhr | ESG Trier (Im Treff 19) | mit Dr. Ingo Elbe

Seminarinhalte:
1) Was ist Populismus? Allgemeine Kriterien 2) Demokratie von rechts? Carl Schmitt als Vordenker des Rechtspopulismus 3) Gibt es einen Linkspopulismus? Die politische Theorie von Chantal Mouffe und Ernesto Laclau 4) Autoritärer Charakter und populistische Agitation. Erklärung und Kritik populistischer Ideologien in der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule

Populistische Bewegungen sind weltweit auf dem Vormarsch. Gegen ‚die korrupten Eliten‘ wird an den ‚wahren Volkswillen‘ appelliert, der nicht durch formale Wahlverfahren ermittelt wird und dessen Inhalt die populistischen Führerinnen und Führer letztlich eigenmächtig und autoritär festlegen. Das Seminar gibt einen Überblick über prominente Theorien des Rechtspopulismus und ihrer linkspopulistischen Gegenspieler. Im Zentrum stehen dabei die Fragen, welche antiparlamentarischen und antidemokratischen Elemente rechtspopulistische Anrufungen des Volkes transportieren, welche Strategien rechtspopulistische Agitatoren verwenden und wie der Aufstieg des Rechtspopulismus überhaupt zu erklären ist. Dabei wird zunächst der Beitrag von Carl Schmitt, dem Vordenker des Rechtspopulismus und einer faschistischen Artikulation des Demokratiebegriffs, untersucht. Auf dieser Grundlage werden die ProtagonistInnen des aktuellen Linkspopulismus, Chantal Mouffe und Ernesto Laclau, vorgestellt, deren Begriff des Politischen und ‚postmarxistische‘ Theorie des Populismus von Bewegungen wie Syriza oder Podemos aufgegriffen wurden. Es wird die Frage gestellt, in welchem Verhältnis diese linkspopulistischen Theorien zum Rechtspopulismus stehen und ob sie eine brauchbare Alternative zu diesem darstellen. Insbesondere das Phänomen einer an Laclau und Mouffe anknüpfenden ideologischen Querfront, einer „productive convergence of the far Right and the far Left“, wie es eine amerikanische Philosophin mit begeisterter Zustimmung ausdrückt, soll kritisch thematisiert werden. Schließlich wird mit Rekurs auf die Theorie des autoritären Charakters von Erich Fromm und Theodor W. Adorno sowie Leo Löwenthals Analyse faschistischer Agitatoren ein weiterer Erklärungsansatz für rechtspopulistische Ideologien, Bewegungen und Strategien vorgestellt, der jeden Populismus als antiemanzipatorisch kritisiert.

Dr. Ingo Elbe ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und Privatdozent an der Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg. Letzte Publikationen zum Thema: Paradigmen anonymer Herrschaft. Politische Philosophie von Hobbes bis Arendt. Würzburg 2015; Rezension zu Jan-Werner Müller: Was ist Populismus? Ein Essay. http://www.rote-ruhr-uni.com/cms/Jan-Werner-Muller-Was-ist.html; „Politische Macht, Faschismus und Ideologie. Ernesto Laclaus Auseinandersetzung mit Nicos Poulantzas“. In: A. Hetzel (Hg.): Radikale Demokratie. Zum Staatsverständnis von Chantal Mouffe und Ernesto Laclau. Baden-Baden 2017.