Veranstaltungen


AntiRass-Events


Für alle Veranstaltungen gilt: gemäß Paragraph 6 Versammlungsgesetz sind Anhänger oder Vertreter rechter Parteien, Gruppen oder Kameradschaften sowie StörerInnen von der Veranstaltung ausgeschlossen.
Die Veranstaltungen richten sich an Studierende der Universität Trier.


Argumentieren lernen gegen Stammtischparolen

Anmeldung per Email erforderlich!
workshop_ausgebuchtWorkshop | Freitag, 7. Juli 2017, 10.00 – 15.30 Uhr | Universität Trier, B21 | mit zwei ReferentInnen vom Netzwerk für Demokratie und Courage

Anmeldung per Email (Betreff: Argumentieren-Workshop) mit Angabe von Vorname und Alter an astaanti[ä]uni-trier.de nötig! Workshop ist ausgebucht! Ihr könnt euch aber noch auf die Warteliste setzen lassen.
Die Teilnahme ist kostenlos, die Plätze sind begrenzt. Es gibt eine Mittagspause, während der wir (gemeinsam) in die Mensa gehen können.

Auf der Arbeit, an der Uni, in der Kneipe oder beim Anstehen an der Kasse, nahezu überall in unserem Alltag begegnen uns derzeit Diskussionen, die mit Statements wie: „Ich bin ja kein Rassist, aber…“ beginnen. Und viele stellen sich die Frage, wie diesen rechten Stammtischparolen begegnen und entgegentreten?
In dem Workshop werden wir uns mit aktuellen Diskursen um Migration und Flucht beschäftigen und diesen auf rassistische Argumentationen hin untersuchen. Im Anschluss werden wir uns Argumentationsstrategien gegen rassistische und rechte Argumente erarbeiten und diese ausprobieren. Ziel ist, die eigene Handlungsfähigkeit in Diskussionen und Gesprächen zu erhöhen um sich gegen Rassismus positionieren zu können.

Das Netzwerk für Demokratie und Courage macht rassismuskritische Bildungsarbeit und bietet Projekttage zu den Themen Rassismus und Handlungsmöglichkeiten dagegen, Menschen verachtende Einstellungen, extreme Rechte und Antidiskriminierungsarbeit u.a. für Schulen an. Zudem ist es durch spezielle Angebote in der Fortbildung von Lehrer*innen und Multiplikator*innen tätig.


Der Vorleser

Filmnacht #9
Filmnacht-#9Filmnacht und Diskussion | Montag, 10. Juli 2017, 18.00 Uhr Einlass / 18.30 Uhr Beginn | Universität Trier, Studierendenhaus | mit Wolfgang Schmitt

Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers: Sie ist rätselhaft und viel älter als er. Und sie wird seine erste Leidenschaft. Eines Tages ist Hanna spurlos verschwunden. Erst Jahre später trifft Michael sie wieder – als Angeklagte im Gerichtssaal. Hier erfährt er von ihrem persönlichen Schicksal und von ihrer grausamen Vergangenheit als KZ-Aufseherin. Am Ende wird er sie durch seine nie verloren gegangene Zuneigung erlösen.

Wolfgang Schmitt ist Germanist und u. a. bekannt durch seinen Youtube-Channel https://www.youtube.com/user/Filmanalyse

Vor Ort gibt es vegane und vegetarische Pizza, Snacks und Getränke zu erwerben.


Ist eine faire Welt käuflich?

Podiumsdiskussion zu Fairem Handel
17_Podiumsdiskussion_25Podiumsdiskussion | Mittwoch, 12. Juli 2017, 18.00 Uhr | Universität Trier, Studierendenhaus | mit Roland Röder (Aktion 3. Welt Saar), Wynnie Mbindyo (TransFair), Fernando Andia Cochachi (ToupiGroup Trier) und Annette Fehrholz (Lokale Agenda 21 Trier) | in Kooperation mit dem Referat für Ökologie

Fairhandelsprodukte sind schon lange keine Besonderheiten in Weltläden und Reformhäusern mehr, sondern auch in Supermärkten und Discountern erhältlich. Fair gehandelte Schokolade, Kaffee und Bananen sind allgegenwärtig, landen regelmäßig im Einkaufswagen und sind Aushängeschilder eines nachhaltigen Lifestyles. 2014 betrug der Gesamtumsatz im Fairen Handel 1.027 Millionen Euro.

Aber ist eine faire Welt wirklich käuflich? Was kann Fairer Handel leisten und wo liegen seine Grenzen? Macht er unsere Welt gerechter oder werden die eigentlichen Probleme durch ihn nur entpolitisiert?
Dem wollen wir am Mittwoch den 12. Juli ab 18.00 uhr auf den Grund gehen. Unter der Leitfrage „Ist eine faire Welt käuflich?“ diskutieren Roland Röder, Fernando Andia Cochachi und Wynnie Mbindyo. Annette Fehrholz führt als Moderatorin durch den Abend.

Nachdem die ReferentInnen ihre Positionen zu Fairem Handel dargelegt haben, sollen folgende Fragen miteinander diskutiert werden:

  1. Welche Rolle spielt Fairtrade in unserer Gesellschaft?
  2. Was sind die Vor-/Nachteile von Siegeln? Findet eine Entpolitisierung durch diese statt?
  3. Wo liegen die Grenzen eines Fairen Handels? Lässt er sich mit dem Kapitalismus vereinen – und wenn ja, wie?
  4. Gewerkschaftsfeindliche Unternehmen wie ‚Starbucks“ werden mittlerweile auch mit Fair Trade Siegeln ausgezeichnet – wie passt das zusammen?

Annette Fehrholz ist Regionalpromotorin für öko-soziale Beschaffung bei der Lokalen Agenda 21 Trier e.V. und wird die Veranstaltung moderieren.

Roland Röder ist Geschäftsführer der Aktion 3.Welt Saar e.V. Der Verein arbeitet allgemeinpolitisch und betreibt einen 3.Welt Laden, sieht aber manches dazu kritisch. In der Wochenzeitung Jungle World schreibt er die Gartenkolumne „Krauts & Rüben. Der letzte linke Kleingärtner“.

Fernando Andia Cochachi ist Gründer der studentischen Initiative ToupiGroup. Bei der Lokoalen Agenda 21 Trier e.V. bietet er Workshops an, die sich mit Nachhaltigkeit und Fairem Handel befassen.

Wynnie Mbindyo arbeitet für TransFair – Verein zur Förderung des Fairen Handels mit der „Dritten Welt“ e.V.in Saarbrücken. Unter anderem hat sie sich dafür eingesetzt, dass Saarbrücken die erste Fairtrade-University wurde.


Hausarbeitsvorstellungen und -hilfe

Hausarbeitsvorstellungeneigene Präsentationen und Diskussion | Montag, 17. Juli 2017, 18.00 Uhr / Dienstag, 18. Juli 2017, 18.00 Uhr | Universität Trier, B22

Liebe Studierende,
in der letzten Semesterwoche habt ihr die Möglichkeit eure Hausarbeitsideen öffentlich vorzustellen und euch Feedback dazu von uns und von anderen Studierenden einzuholen. Einzige Bedingung: Eure Arbeit muss zu unseren Themen passen, sich also mit Rechtsextremismus, Populismus, Rassismus, Antisemitismus, Asylpolitik, Islamismus oder dem Nationalsozialismus beschäftigen.

Wir stellen uns den Ablauf so vor, dass pro Abend eine Hand voll Personen ihre Fragestellung in 10-15 minütigen Eingangsstatements erläutern, ihre Gliederung und ihre wichtigste Literatur vorstellen. Daran schließt sich eine Feedbackphase an während der alle Anwesenden Tipps und Feedback zum Vorhaben äußern können.

Die Veranstaltung ist öffentlich, Zuschauer sind ausdrücklich willkommen und herzlich eingeladen mitzudiskutieren. Wir möchten einen öffentlichen Rahmen zur Auseinandersetzung über geplante Hausarbeiten bieten und freuen uns über rege Teilnahme.

Bitte schreibt uns bis zum 10. Juli eine Email mit euerm Thema an astaanti[äht]uni-trier.de (Betreff: Hausarbeitsvorstellung) wenn ihr eure Ideen präsentieren möchtet – und schreibt bitte auch dazu welchen der beiden Termine ihr wahrnehmen könnt.

Termine:
Montag, 17. Juni 2017 um 18 Uhr (B22)
Dienstag, 18. Juni 2017 um 18 Uhr (B22)


Gedenkstättenfahrt ins ehemalige Konzentrationslager Hinzert

Anmeldung per E-Mail erforderlich!
HinzertVorbereitungsveranstaltung und Fahrt | Mittwoch, 19. Juli 2017, 18 Uhr (B17) und Donnerstag, 20. Juli 2017, 11 Uhr (C-Parkplatz) | mit Georg Mertes (Gedenkstätte KZ Hinzert) und Dr. Thomas Grotum (FB III – Neuere und Neueste Geschichte)
Besichtigt mit dem Referat für Antirassismus und Antifaschismus, Georg Mertes (Gedenkstätte KZ Hinzert) und Dr. Thomas Grotum (FB Neuere und Neueste Geschichte) das SS-Sonderlager in Hinzert; ein wichtiges Stück Zeitgeschichte im Trierer Umland.

Ursprünglich als „Umerziehungslager“ der Nationalsozialisten konzipiert, wandelte sich das 1939 eingerichtete Lager schon bald zu einem Umverteilungs-/Arbeitserziehungslager, in dem bis zu 1200 Menschen gleichzeitig inhaftiert gewesen waren. Obwohl das Lager nicht zur Vernichtung von tatsächlichen oder vermeintlichen Regimegegnern angelegt worden war, führten die Lagerbedingungen trotzdem zu zahlreichen Todesfällen unter den Inhaftierten Oppositionellen, Kritikern und Widerstandskämpfern, vornehmlich luxemburgischer sowie französischer Herkunft.

Zusammen mit den beiden Experten möchten wir an zwei Tagen die Geschichte des Lagers in Hinzert anschaulich machen und laden zur eingehenden Reflexion ein.

Ablauf:
1. Vorbesprechung am 19. Juli, 18 Uhr, B17.
2. Fahrt in das ehemalige KZ Hinzert am 20. Juli, Abfahrt: 11 Uhr Universitätsparkplatz C mit einem Bus.
3. Führung mit Herrn Mertes und Dr. Thomas Grotum, ca. 12-14.30 Uhr.
4. Rückfahrt: ca. 15 Uhr
5. Gemeinsame Reflexion: ca. 16 Uhr

Die Fahrt ist für Studierende kostenlos. Busfahrt sowie Lunchpakete werden von uns übernommen.

Anmeldungen für die Fahrt bitte _verbindlich_ an astaanti@uni-trier.de. Eine kurze Nachricht mit Vor- und Zuname des/der Teilnehmerin reicht dabei vollkommen. Bitte beachtet, dass sowohl die Vorbesprechung als auch die anschließende Reflexion Teil des Programms sind! Die Plätze sind begrenzt.

Anmeldeschluss für die Veranstaltung ist Mittwoch, 12. Juli 2016.


Antirassismus als Ideologie der feinen Gesellschaft

nachtmannAn­ti­ras­sis­mus, frü­her ein Ste­cken­pferd lin­ker Klein­grup­pen, ist längst deut­sche Staats­rai­son ge­wor­den: mo­ra­li­sche Em­pö­rung gegen ver­meint­li­che Ras­sis­ten und die So­li­da­ri­sie­rung mit Flücht­lin­gen ge­hö­ren zum guten Ton der Ber­li­ner Re­pu­blik. Die die­ser Hal­tung zu­grun­de­lie­gen­de Vor­stel­lung von „Ras­sis­mus“ hat mit Ein­sicht in ge­schwei­ge denn Ana­ly­se von Frem­den­haß selbst­ver­ständ­lich rein gar nichts zu tun: „Ras­sis­mus“ ist viel­mehr ein ideo­lo­gi­sches Stich­wort eines an­ti-ras­sis­ti­schen Ra­ckets, das jeg­li­chen Rea­li­täts­be­zugs ent­behrt, das seine Mit­glie­der viel­mehr nur als Aus­weis von Ge­sin­nungs­fes­tig­keit und Ehr­bar­keit vor sich her­tra­gen und das ihnen als pro­ba­tes Mit­tel dient, um nach Will­kür und frei­em Er­mes­sen fest­zu­le­gen, wer ge­ra­de als „Ras­sist“ zu gel­ten hat. „An­ti­ras­sis­mus“ ist die Ideo­lo­gie der fei­nen Ge­sell­schaft, die mit dem po­li­ti­schen Islam kol­la­bo­riert und schon des­we­gen eine fle­xi­bel ein­setz­ba­re und über jeden Ver­dacht er­ha­be­ne, d.h. „an­ti­fa­schis­ti­sche“ Feind­er­klä­rung gegen all jene be­nö­tigt, die diese Kol­la­bo­ra­ti­on beim Namen nen­nen. Flücht­lin­ge sind Trä­ger einer Kul­tur, die „uns“ be­rei­chert, an­de­re Kul­tu­ren, ge­ra­de der Islam, sind un­be­dingt zu re­spek­tie­ren und zu ach­ten. Die als „Will­kom­mens­kul­tur“ ver­mark­te­te Mas­sen­mo­bi­li­sie­rung von 2015/16 war in die­ser Per­spek­ti­ve eine Mi­schung aus is­la­mo­phi­lem Kin­der­ge­burts­tag und an­ti­ras­sis­ti­scher Volks­front, bei der es na­tür­lich nicht um Flücht­lin­ge ging, son­dern um die Selbst­dar­stel­lung der guten Deut­schen und um einen wei­te­ren An­lauf im end­lo­sen Be­mü­hen, die post­na­zis­ti­sche Ge­sell­schaft zum mul­ti­kul­tu­rel­len Stam­mes­ver­band um­zu­rüs­ten.

Der Vor­trag zeich­net die Grund­li­ni­en die­ses Pro­zes­ses nach, unter be­son­de­rer Be­rück­sich­ti­gung des So­zi­al­cha­rak­ters, der sich darin aus­spricht und mit be­son­de­rem Au­gen­merk auf alle jene Ka­pi­tu­lan­ten des In­tel­lekts, die sich bis in an­ti­deut­sche Krei­se hin­ein als Schön­red­ner die­ser kom­mu­ni­tä­ren Re­gres­si­on und der darin ein­be­grif­fe­nen Is­la­mi­sie­rung be­tä­ti­gen. be­tä­ti­gen.

Clemens Nachtmann, geboren 1965 in Neustadt a.d. Waldnaab (Bayern), studierte in München und in Berlin Politikwissenschaft u.a. bei Johannes Agnoli sowie Komposition und Musiktheorie in den 80er Jahren bei Wilhelm Killmayer, in den 90er Jahren bei Friedrich Goldmann, Gösta Neuwirth und Hartmut Fladt.
Seit den 80er Jahren ist Clemens Nachtmann vor allem bekannt für zahlreiche Vorträge sowie Veröffentlichungen in diversen Zeitungen und Zeitschriften zu gesellschaftstheoretischen, politischen, kulturellen und musikalischen Fragen.


Harry Potter, TKKG und Popmusik. Zur Kritik des Postnazismus

17_PostnazismusTagung | Samstag, 2. September 2017, 14.00-19.30 Uhr | Uni Trier, A9/10 | mit Melanie Babenhauserheide, Dierck Wittenberg, Volker Beeck und Jean-Philipp Baeck | in Kooperation mit dem Queerfeministischen Frauenreferat und dem Referat Ausländischer Studierender

Der Begriff des Postnazismus versucht die Tatsache zu fassen, dass 1945 zwar dem Morden ein Ende bereitet wurde, die vielbeschworene „Stunde Null“ aber nicht stattgefunden hat. In den nachnationalsozialistischen Demokratien wirkten bzw. wirken zentrale NS-Ideologien nach (Sitchwortartig umrissen: Antisemitismus, Antiamerikanismus und Antibolschewismus, ein ausgeprägtes Freund-Feind-Denken, die Fixierung auf den Staat und die Obrigkeit, Konformismus und übertriebene Harmoniesucht, Autoritarismus und Antipluralismus, Antiintellektualismus und Irrationalismus, preußische Ordnungsliebe und die Schwäche der Männer für militärische Disziplin), was sich auch an der (Pop-)kultur aufzeigen lässt. Der Frage inwiefern diese Ideologien auch noch heute noch nachleben möchten wir mit dieser Tagung nachgehen – an Hand von drei Beispielen.

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ungefährer Zeitplan:
(I) 14.15 – 15.45 Uhr: Dierck Wittenberg (Popmusik/Fußball-WM)
(II) 16.00 – 17.30 Uhr: Volker Beeck / Jean-Philipp Baeck (TKKG)
(III) 17.45 – 19.15 Uhr: Melanie Babenhauserheide (Harry Potter)
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(I) Von der Irritation zum Einklang? Über Subversion in der Popkultur und ihr Verschwinden

Seit seinen Anfängen als Jugendkultur war Pop ein Geschäftsfeld, in dem Versprechen von Glück und Freiheit gehandelt wurden. Diesen Versprechen folgend trat Popmusik immer wieder auch in Opposition zu überkommenen Normen, insbesondere zur spießigen Sexualmoral der fünfziger und sechziger Jahre – ein widerständig-irritierendes Potenzial, dem im Nachkriegsdeutschland eine besondere Sprengkraft zukam. Das scheint Popmusik inzwischen aber weitgehend eingebüßt zu haben. Dieser Veränderung, ihren Gründen und wie sie m.E. beispielhaft in den Musikevents rund um die Fußballweltmeisterschaft 2006 zum Ausdruck kam, will ich in meinem Vortrag nachgehen.

Dierck Wittenberg ist Politik- und Kulturwissenschaftler. Veröffentlichungen u.a.: „Die Mühlen des Rock und die Diskurse des Pop. Überlegungen zum Schreiben über Popmusik in Intro, Spex und Visions“, in: Jochen Bonz / Michael Büscher / Johannes Springer (Hg.): Popjournalismus. Mainz 2005 (Ventil). Zusammen mit Eric Peters: „Stars Down to Earth. Über das Verhältnis von Pop, Nation und Künstlersubjekt in Zeiten neuen deutschen Selbstbewusstseins“, in: Kittkritik (Hg.): Deutschlandwunder. Wunsch und Wahn in der postnazistischen Kultur, Mainz 2007 (Ventil), „Todes-Folgen. Einige Beobachtungen zum Tod in Six Feet Under“, in: Extrablatt. Zeitschrift aus Gründen gegen fast Alles“ Nr. 8 (2012).

(II) Mit Judo gegen Wodka Bruno, Miethai Zinse und Dr. Mubase. TKKG – ein postnazistischer Jugendkrimi

In Buch- und Hörspielform macht im deutschen Jugendkrimi „TKKG“ der Bandenchef Tarzan seit 1979 seine Gefolgsleute durch geistige und körperliche Überlegenheit überflüssig. Gottgleich ist er für die jugendlichen Leser weniger Identifikationsfigur als virtueller Führer. Zur Aufrechterhaltung der gesellschaftlichen Ordnung löst Tarzan seine Fälle mit Hilfe des Faustrechts, verprügelt die, durch Hakennasen oder fremde Namen gekennzeichneten Dealer und andere Bösewichte. Der Beitrag zeigt, inwiefern TKKG Prototyp eines postfaschistischen Kinderkrimis ist und geht auf den Subjektverfall in der postfaschistischen Gesellschaft, anhand des Geschlechterverhältnisses zwischen Gabi und Tarzan, den rassistischen und antisemitischen Bedrohungszenarien einer Welt voll dunkler Machenschaften ein, in der sich die Masse nur durch Anlehnung an einen Führer wie Tarzan behaupten kann.

Volker Beeck lebt in Berlin. Er ist Redaktionsmitglied der Zeitschrift „Extrablatt – Aus Gründen gegen fast alles“. Dort wird in der neuen in Kürze erscheinenden Ausgabe sein gemeinsam mit Moritz Strickert verfasster Text „Geborgen, verbunden, artgerecht – zur Kritik des Attachment Parenting“
Jean-Philipp Baeck ist Soziologe und Kulturwissenschaftler. Zusammen mit Volker Beeck hat er einen gleichnahmigen Aufsatz veröffentlicht. In: Kittkritik (Hg.): Deutschlandwunder. Wunsch und Wahn in der postnazistischen Kultur, Mainz 2007 (Ventil).

(III) Von Familienstolz, magischem Blut und Bank-Kobolden. Harry Potter und das Erbe des Nationalsozialismus

Auf den ersten Blick gibt sich die Harry Potter-Reihe antifaschistisch: Abstammungslogik und Blutsreinheitsphantasien werden nicht nur oberflächlich durch den Plot über den Oberbösewicht und seine AnhängerInnen als bekämpfenswert dargestellt, sondern mit repressiven, einengenden und patriarchalen Familienstrukturen verknüpft, deren literarische Problematisierung an die Ablösungswünsche der adoleszenten LeserInnenschaft rühren. Zugleich fallen jedoch bei genauerer Analyse Widersprüche der Erzählung auf, die gegenläufige Tendenzen erkennen lassen: Es erweist sich daher als problematisch, wenn etwa die Romane von PädagogInnen unvermittelt als Aufhänger für eine Auseinandersetzung mit Antisemitismus, Rassismus und Nazismus herangezogen werden.

Melanie Babenhauserheide ist Erziehungswissenschaftlerin an der Universität Bielefeld und hat zur Ideologie in der Harry Potter-Reihe promoviert.


Gedenkstättenfahrt ins ehemalige Vernichtungslager Auschwitz

Anmeldung per E-Mail erforderlich! / 50€ Selbstbeteiligung und Verpflegung auf eigene Kosten vor Ort
gedenkstaettenfahrtauschwitzVorbereitungsveranstaltung und Fahrt | Mittwoch, 19. Juli 2017, 18 Uhr (B17) und Donnerstag, 20. Juli 2017, 11 Uhr (C-Parkplatz) | mit Dr. Thomas Grotum (FB III – Neuere und Neueste Geschichte) | in Kooperation mit dem Autonomen Referat für schwule, trans* und queere Identitäten, dem Queerfeministischen Frauenreferat, dem Autonomen Referat Ausländischer Studierender, dem Referat für politische Bildung, dem Autonomen Referat Behinderter und chronisch Kranker und dem Kulturreferat.

Um euch für die Fahrt anzumelden, sendet ihr bitte eine kurze und formlose Mail an astaanti[äht]uni-trier.de und teilt uns dort euren Namen und eure Matrikelnummer mit; bitte teilt uns auch mit, ob ihr schon einmal an einer ähnlichen Fahrt teilgenommen habt und wenn ja, in welcher Form.

Bitte beachtet, dass die Anmeldung bindend ist!

Für Mitreisende wird aufgrund der hohen Kosten eine Teilnehmerpauschale in Höhe von 50 Euro erhoben. Zusätzlich fallen kleinere Fahrtkostenbeträge in Polen selbst sowie Verpflegungskosten an (Frühstück ist in unserer Pension inbegriffen). Die Teilnehmerpauschale wird auf der Vorbesprechungen am 27. Juli fällig (Im Härtefall können die 50 Euro auch in einer unserer Sprechstunden nachgereicht werden; bitte kündigt dies so früh wie möglich an).

Insgesamt können an der Gedenkstättenfahrt 11 Studierende teilnehmen, also sendet uns bitte möglichst bald eine Email. Sollten mehr Bewerberinnen als vakante Plätze existieren, sind wir leider gezwungen zu losen.

Das Programm könnt ihr hier herunterladen [PDF]. Das Programm ist dabei – bis auf wenige, als solche gekennzeichnete Ausnahmen – verpflichtend!

Wir freuen uns auf eure Teilnahme!


Die theoretischen Grundlagen des Rechts- und Linkspopulismus

PopulismusTagesseminar | Mittwoch, 15. November 2017, 11-18 Uhr | Uni Trier, Raum folgt | mit Dr. Ingo Elbe

Seminarinhalte:
1) Was ist Populismus? Allgemeine Kriterien 2) Demokratie von rechts? Carl Schmitt als Vordenker des Rechtspopulismus 3) Gibt es einen Linkspopulismus? Die politische Theorie von Chantal Mouffe und Ernesto Laclau 4) Autoritärer Charakter und populistische Agitation. Erklärung und Kritik populistischer Ideologien in der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule

Populistische Bewegungen sind weltweit auf dem Vormarsch. Gegen ‚die korrupten Eliten‘ wird an den ‚wahren Volkswillen‘ appelliert, der nicht durch formale Wahlverfahren ermittelt wird und dessen Inhalt die populistischen Führerinnen und Führer letztlich eigenmächtig und autoritär festlegen. Das Seminar gibt einen Überblick über prominente Theorien des Rechtspopulismus und ihrer linkspopulistischen Gegenspieler. Im Zentrum stehen dabei die Fragen, welche antiparlamentarischen und antidemokratischen Elemente rechtspopulistische Anrufungen des Volkes transportieren, welche Strategien rechtspopulistische Agitatoren verwenden und wie der Aufstieg des Rechtspopulismus überhaupt zu erklären ist. Dabei wird zunächst der Beitrag von Carl Schmitt, dem Vordenker des Rechtspopulismus und einer faschistischen Artikulation des Demokratiebegriffs, untersucht. Auf dieser Grundlage werden die ProtagonistInnen des aktuellen Linkspopulismus, Chantal Mouffe und Ernesto Laclau, vorgestellt, deren Begriff des Politischen und ‚postmarxistische‘ Theorie des Populismus von Bewegungen wie Syriza oder Podemos aufgegriffen wurden. Es wird die Frage gestellt, in welchem Verhältnis diese linkspopulistischen Theorien zum Rechtspopulismus stehen und ob sie eine brauchbare Alternative zu diesem darstellen. Insbesondere das Phänomen einer an Laclau und Mouffe anknüpfenden ideologischen Querfront, einer „productive convergence of the far Right and the far Left“, wie es eine amerikanische Philosophin mit begeisterter Zustimmung ausdrückt, soll kritisch thematisiert werden. Schließlich wird mit Rekurs auf die Theorie des autoritären Charakters von Erich Fromm und Theodor W. Adorno sowie Leo Löwenthals Analyse faschistischer Agitatoren ein weiterer Erklärungsansatz für rechtspopulistische Ideologien, Bewegungen und Strategien vorgestellt, der jeden Populismus als antiemanzipatorisch kritisiert.

Dr. Ingo Elbe ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und Privatdozent an der Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg. Letzte Publikationen zum Thema: Paradigmen anonymer Herrschaft. Politische Philosophie von Hobbes bis Arendt. Würzburg 2015; Rezension zu Jan-Werner Müller: Was ist Populismus? Ein Essay. http://www.rote-ruhr-uni.com/cms/Jan-Werner-Muller-Was-ist.html; „Politische Macht, Faschismus und Ideologie. Ernesto Laclaus Auseinandersetzung mit Nicos Poulantzas“. In: A. Hetzel (Hg.): Radikale Demokratie. Zum Staatsverständnis von Chantal Mouffe und Ernesto Laclau. Baden-Baden 2017