Veranstaltungen


AntiRass-Events


Für alle Veranstaltungen gilt: gemäß Paragraph 6 Versammlungsgesetz sind Anhänger oder Vertreter rechter Parteien, Gruppen oder Kameradschaften sowie StörerInnen von der Veranstaltung ausgeschlossen.
Die Veranstaltungen richten sich an Studierende der Universität Trier.


Politischer Existenzialismus?

Hannah Arendt und das Problem ‚des Politischen’
IngoElbe_ArendtVortrag | Dienstag, 16. Januar 2018, 18 Uhr | Uni Trier, B22 | mit Dr. Ingo Elbe | in Kooperation mit dem Rosa Salon Trier

Hannah Arendts Überlegungen zur Politik sind eine wichtige Quelle der aktuellen Theorien ‚des‘ Politischen. Der antiinstitutionelle Charakter des Politikbegriffs, seine Abgrenzung von Staat und Verwaltung, die Begeisterung für Ausnahmezustand und Ernst gegen alltägliches Behagen, Normen und Durchschnittlichkeit sowie die völlige Ablehnung von ökonomischen und gesellschaftstheoretischen Fundierungsversuchen des Politischen sind Motive, die der gegenwärtige Diskurs mit dem Denken Arendts teilt.

Der Vortrag stellt Arendts Politikbegriff im Kontext ihrer Moderne-Diagnose dar und fragt, ob ‚Politik‘ bzw. ‚Politisches‘ wirklich, wie Arendt und die gegenwärtige Diskussion meinen, eine Alternative zu ‚totalitären‘ Gesellschaftsentwürfen darstellen oder ob ihre antiegalitären und politexistenzialistischen Quellen nicht vielmehr zur Verschärfung totalitärer Tendenzen beitragen.

Dr. Ingo Elbe ist Gastprofessor am Institut für Politikwissenschaft der JLU Gießen sowie wissenschaftlicher Mitarbeiter und Privatdozent an der Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg. Letzte Publikationen zum Thema ‚Theorien des Politischen‘: Paradigmen anonymer Herrschaft. Politische Philosophie von Hobbes bis Arendt. Würzburg 2015; (zusammen mit Sven Ellmers): „Das öffentliche Leben. Zu Hannah Arendts Theorie wirtschaftlichen Wachstums“. In: Zeitschrift für kritische Sozialtheorie und Philosophie, Nr. 2/2/2015. „Politische Macht, Faschismus und Ideologie. Ernesto Laclaus Auseinandersetzung mit Nicos Poulantzas“. In: A. Hetzel (Hg.): Radikale Demokratie. Zum Staatsverständnis von Chantal Mouffe und Ernesto Laclau. Baden-Baden 2017.


Rassismus in Kinderbüchern

rassismuskinderbuchVortrag | Mittwoch, 17. Januar 2018, 19 Uhr | Uni Trier, B22 | mit Gertrud Selzer

Die sehr emotional geführte N-Wort Debatte wurde unter anderem ausgelöst durch den Autor Ottfried Preussler, der kurz vor seinem Tode zustimmte, in seinem Kinderbuchklassiker „Die kleine Hexe“ Begriffe wie „Neger“ und „Negerlein“ zu streichen. In Pippi Langstrumpf wurden vor 6 Jahren Begriffe wie „Neger“ und „Zigeuner“ heraus genommen. Diese „geräuschlose“ Korrektur bei Kinderbüchern findet auch bei literarischen Werken von Goethe und Shakespeare statt, wenn sie durch Übersetzungen dem aktuellen Sprachverständnis angepasst werden. Deshalb hat das demonstrative Festhalten am rassistischen N-Wort durch manche Feuilleton-AutorInnen etwas merkwürdig Archaisches. Ausgehend von der Annahme, dass sich die große nationale Politik auch im scheinbar unpolitischen Kinderbuch niederschlägt, werden anhand von Beispielen der offene wie verdeckte Rassismus in deutschen Kinderbüchern unter die Lupe genommen aber auch positive Veränderungen aufgezeigt:

  • Ist es Ausdruck einer engen political correctness, das N-Wort aus (Kinder-) Büchern zu streichen oder Ausdruck von Respekt?
  • Kann das N-Wort neutral sein oder diffamiert es?
  • Wird die (Nicht-) Verwendung des N-Wortes überbewertet?
  • Wer sind die Helden: Menschen, die im Land leben oder bilden Einheimische nur die exotische Kulisse für weiße Hauptdarsteller wie zum Beispiel bei Pippi Langstrumpf, das aber trotzdem ein phantastisches Buch ist?
  • Wird Afrika auf Hunger, Elend und Krieg reduziert?
  • Haben Schwarze individuelle Gesichtszüge?
  • Werden Menschen anderer Kulturen pauschal als gut oder schlecht dargestellt?

Gertrud Selzer arbeitet als Buchhändlerin in Merzig und ist Mitglied in der Aktion 3. Welt Saar e.V. Der Verein arbeitet allgemeinpolitisch und bundesweit. Seinen Sitz hat er im Saarland.


Sozialpsychologie und die AfD

Wie viel Psychologie steckt im Wahlprogramm?
PsychoworkshopWorkshop | Donnerstag, 18. Januar 2018, 18 Uhr | Uni Trier, B14 | von Master-Studis aus der Psychologie | Anmeldung erforderlich: s6gusche[at]uni-trier.de

Kommt zum Workshop und lernt einige der wichtigsten sozialpsychologischen Mechanismen kennen, die im AfD-Wahlprogramm zur Bundestagswahl 2017 wirken. Nach kurzem Wissensinput werdet ihr das Gelernte auf Ausschnitte des AfD-Wahlprogramms anwenden und zusammentragen. Danach werdet ihr politisches Wahlkampfmaterial mit sozialpsychologischen Augen betrachten.

Die Organisatoren werden drei bis vier sozialpsychologische Theorien den Teilnehmenden durch Impulsreferate näherbringen und anschließend in Gruppenarbeit auf ausgewählte Ausschnitte des AfD Wahlprogramms anwenden. Zum Abschluss werden sie in einer kurzen Plenumsdiskussion die Arbeit der einzelnen Kleingruppen zusammenführen und Raum für Fragen bezüglich behandelter Themen geben.

Ziele des Workshops: Vermittlung von Wissen zu sozialpsychologischen Mechanismen im Hinblick auf das AfD Wahlprogramm und politischem Wahlkampfmaterial.

Anmeldung an Guido Schellen (s6gusche[at]uni-trier.de)

Die Organisatoren sind fünf Studierende im Master Psychologie (Helen Leistikow, Swantje Bolli, Guido Schellen, Johannes Rudolph, Valentin Emslander), der Workshop ist ein Teil ihres Seminars zu Sozialpsychologie und der AfD.


Doof geboren ist keiner

Zum feministischen Verrat am Universalismus der Freiheit
MagnusKlaueVortrag | Freitag, 19. Januar 2018, 18 Uhr | Uni Trier, B22 | mit Dr. Magnus Klaue | in Kooperation mit dem Autonomen Referat für STQ Identitäten

Wer die „feministischen“ Wortäußerungen in poplinken Leitmedien wie „Jungle World“ oder „Missy Magazine“ verfolgt, gewinnt den Eindruck, dass die gendertheoretisch geschulte Generation der unter 40jährigen alles dafür tut, Arthur Schopenhauer recht zu geben, der „die Weiber“ als „kindisch, läppisch und kurzsichtig“ diffamierte. Überhaupt stellt sich, was unter dem Label des Genderfeminismus von der Frauenbewegung übrig geblieben ist, als Recycling misogyner Theoreme des 19. Jahrhunderts dar. Die Idee, Studenten „Studierende“ zu nennen, stammt vom Erfinder des „geschlossenen Handelsstaates“, Johann Gottlieb Fichte, der damit den aufbauend-produktiven Charakter deutscher Geistesarbeit hervorheben wollte; die Obsession mit bösen, aus der Sprache zu tilgenden Wörtern teilen die Genderfeministen mit Sprachreinigern des Kaiserreichs, mit denen sich die meisten von ihnen im Hass auf die Juden einig sind; und der Puritanismus, in dem sie sich im Kampf gegen Bikini-Werbung und „männlichen Blick“ mit Islamisten gegen die Opfer moslemischer Männergewalt verbünden, lässt den Viktorianismus als Hort der Humanität erscheinen. Die Preisgabe des Universalismus kommt dabei in der Sprache zu sich selbst. Während der bessere Teil der Zweiten Frauenbewegung, insbesondere die um die Zeitschrift „Die schwarze Botin“ versammelte Autorinnengruppe, eine „kalte“, sarkastische Diktion pflegte, die sich nicht zuletzt gegen den Gefühls- und Authentizitätskult des Schwestern-Feminismus wandte, sind deren Enkelinnen stolz darauf, weder Syntax noch Grammatik zu beherrschen, feiern die Einheit von Weiblichkeit, Dummheit und Stolz und halten es für Ideologiekritik, komplexen Satzbau als patriarchal zu entlarven.

Gegen solchen Geistesschutt soll der Vortrag daran erinnern, was die Zweite Frauenbewegung zwar nie in ihrer Mehrheit, aber mindestens am Rande auch war: Kritik am schon damals reaktionären feministischen Mainstream, und damit an allem, was heute von linken Kulturbetriebsnudeln abgefeiert wird: am Kult um „weibliches Schreiben“, an der Behauptung, Frauen verkörperten das „Andere“ des „männlichen Logos“, also eine Art lustig-chaotische Unvernunft, sowie an der Unterstellung, alle Mitglieder des weiblichen Geschlechts hätten allein durch diese Mitgliedschaft etwas Wesentliches gemeinsam. Demgegenüber einte die intelligenten Protagonisten der Zweiten Frauenbewegung das Bemühen, sich im Denken, Schreiben und Handeln an den avanciertesten Zeugnissen der westlichen Zivilisation zu messen, die aus Gründen, die der Geschichte jener Zivilisation inhärent sind, in der Hauptsache von Männern stammen. Dieses Bemühen schlug sich nicht nur in einer von weiblichen Autoren geschaffenen, aber eben nicht „weiblichen“ literarischen Moderne nieder, deren Protagonistinnen (von Friederike Mayröcker über Elfriede Jelinek bis Irmtraud Morgner, Gisela Elsner und Ingeborg Bachmann) unterschiedlichsten Generationen und Traditionen angehörten und deren Werke Genderfeministinnen meist nur vom Hörensagen kennen, sondern auch in einer Geschlechterforschung, die der Kritischen Theorie verpflichtet gegen jenen „Differenzfeminismus“ anging, dessen Verfallsform heute den Kulturbetrieb dominiert. Der emanzipative Impuls dieser Tradition wirkte bis in populäre Formen wie die anarcho-individualistischen Stücke des Grips-Theaters aus den 70er Jahren, deren Lieder mit Titeln wie „Wer sagt, dass Mädchen dümmer sind, der spinnt“ heute von grün-islamischen Elternbeiräten als eurozentrische Propaganda verdammt würden. In diesem Impuls lebte, gerade weil er die Erinnerung daran bewahrte, dass auch westeuropäische Denker vor nicht allzu langer Zeit ernsthaft die Frage diskutierten, „ob die Weiber Menschen seien“, die Idee der einen Menschheit fort. Der Post-, Pop- und Genderfeminismus dagegen antwortet auf eine gesellschaftliche Konstellation, die jene Idee nur noch als Hybris kennt, während die Mischung aus pampiger Wut, stolzer Borniertheit und permanentem Beleidigtsein, die die neuen Feministinnen als Soft Skills bei der Bewerbung um die sichersten Posten der Zivilgesellschaft in Anschlag bringen, zur passgenauen Charaktermaske des Staatsbürgers auf der Höhe der Zeit geworden ist. Wer solche gesellschaftliche Formierung bekämpfen will, muss notwendig auch bekämpfen, was heute Feminismus heißt.

Dr. Magnus Klaue ist seit 2015 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Simon-Dubnow-Institut an der Universität Leipzig. Er hat Germanistik, Philosophie, Theater- und Filmwissenschaft an der FU Berlin studiert und wurde 2008 mit seiner Dissertation »Poetischer Enthusiasmus. Else Lasker-Schülers Ästhetik der Kolportage« zum Dr. phil. promoviert. Von 2008 bis 2014 arbeitete er als freier Autor, Lektor und Redakteur in Berlin (u.a. für die Jungle World, konkret, Bahamas und FAZ).


6 Jahre nach dem Auffliegen des Nationalsozialistischen Untergrunds

Eine Bestandsaufnahme anlässlich des Prozessendes
NSU-VerfassungsschutzVortrag | Mittwoch, 24. Januar 2018, 18 Uhr | Uni Trier, B22 | mit Felix Hansen (NSU-Watch)

Nach über vier Jahre Prozess wurde vor dem Oberlandesgericht München im Sommer 2017 die Beweisaufnahme geschlossen. Derzeit nun laufen die Plädoyers, ein Urteil wird in den nächsten Monaten erwartet. Doch schon jetzt ist klar, dass der Prozess viele Fragen unbeantwortet lassen wird. Auch die mittlerweile 12 parlamentarischen Untersuchungsausschüsse waren nicht in der Lage, die vielen Ungereimtheiten umfassend aufzuklären. Dazu gehören Fragen zum Unterstützungsnetzwerk, der Rolle des Staates und die Verwicklungen der verschiedenen Geheimdienste. Aber auch auf gesellschaftlicher und politischer Ebene wurden kaum Konsequenzen gezogen.

Der Vortrag bietet eine aktuelle Bestandsaufnahme und zeigt auf, welches Bild des NSU sich heute zeichnet. Es wird versucht, auf einige der vielen offenen Fragen rund um den Komplex Antworten zu geben. Darüber hinaus wird der Umgang von Politik, Justiz und Gesellschaft mit dem „NSU“ im Speziellen thematisiert sowie der Rassismus, der sich als roter Faden auf allen Ebenen durch den NSU-Komplex zieht. Diskutiert wird auch die Rolle der Behörden und Verfassungsschutzämter im NSU-Komplex.

Felix Hansen ist als Mitarbeiter des apabiz (Antifaschistisches Pressearchiv und Bildungszentrum Berlin e.V.) im Projekt NSU-Watch aktiv und arbeitet seit 2011 zum NSU und seinen Folgen. NSU-Watch dokumentiert als Zusammenschluss verschiedener antifaschistischer und antirassistischer Gruppen den NSU-Prozess und die Untersuchungsausschüsse. Neben ausführlichen Protokollen aller fast 400 Prozesstage, werden auf der Internetseite www.nsu-watch.info regelmäßig eigene Recherchen und Analysen zum Themenkomplex veröffentlicht.


Einführung in die Kritische Theorie

25299962_878900192277670_1430906810914552694_oVortrag | Mittwoch, 31. Januar 2018, 18 Uhr | Uni Trier, B22 | mit Prof. Dr. Alex Demirovic

Die ältere Kritische Theorie war der Versuch, angesichts faschistischer Entwicklungen in den 1930er Jahren die Theorie von Marx zeitgemäß weiter zu entwickeln. Gegen eine dogmatische und autoritäre Ausrichtung im Staatssozialismus sollte sie in der offenen Form einer kritischen Theorie der Gesellschaft fortgesetzt, sollte ihr angesichts der Zerstörung der Kultur und der Arbeiterbewegung eine Kontinuität gegeben werden. Es war eine Forderung der älteren Kritischen Theorie, sich nicht bei den Traditionen der Aufklärung zu bescheiden, die so – bei allen Erfolgen – vielfach gescheitert sind, sondern auch heute erneut die Marxsche und die kritische Theorie zeitgemäß fortzusetzen. Es geht also darum zu prüfen, welche Bedeutung die Einsichten der Kritischen Theorie angesichts autoritärer Entwicklung heute haben und wie diese im gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang zu begreifen sind.

Prof. Dr. Alex Demirovic, apl. Prof. für Soziologie und Politikwissenschaft an der Goethe-Universität Frankfurt am Main, Arbeitsschwerpunkte: kritische Gesellschaftstheorie, Staatstheorie, Diskursanalyse. Mitglied der Redaktionen der Zeitschriften Prokla und LuXemburg.