Veranstaltungen


AntiRass-Events


Für alle Veranstaltungen gilt: gemäß Paragraph 6 Versammlungsgesetz sind Anhänger oder Vertreter rechter Parteien, Gruppen oder Kameradschaften sowie StörerInnen von der Veranstaltung ausgeschlossen.
Die Veranstaltungen richten sich an Studierende der Universität Trier.


Doof geboren ist keiner (ACHTUNG! FÄLLT AUS WEGEN KRANKHEIT. NACHHOLTERMIN VERMUTL. IM DEZEMBER!!!)

Zum feministischen Verrat am Universalismus der Freiheit
22137152_844815355686154_5965373127564108437_oVortrag | Freitag, 27. Oktober 2017, 18 Uhr | Uni Trier, B14 | mit Dr. Magnus Klaue | in Kooperation mit dem Autonomen Referat für STQ Identitäten
Wer die „feministischen“ Wortäußerungen in poplinken Leitmedien wie „Jungle World“ oder „Missy Magazine“ verfolgt, gewinnt den Eindruck, dass die gendertheoretisch geschulte Generation der unter 40jährigen alles dafür tut, Arthur Schopenhauer recht zu geben, der „die Weiber“ als „kindisch, läppisch und kurzsichtig“ diffamierte. Überhaupt stellt sich, was unter dem Label des Genderfeminismus von der Frauenbewegung übrig geblieben ist, als Recycling misogyner Theoreme des 19. Jahrhunderts dar. Die Idee, Studenten „Studierende“ zu nennen, stammt vom Erfinder des „geschlossenen Handelsstaates“, Johann Gottlieb Fichte, der damit den aufbauend-produktiven Charakter deutscher Geistesarbeit hervorheben wollte; die Obsession mit bösen, aus der Sprache zu tilgenden Wörtern teilen die Genderfeministen mit Sprachreinigern des Kaiserreichs, mit denen sich die meisten von ihnen im Hass auf die Juden einig sind; und der Puritanismus, in dem sie sich im Kampf gegen Bikini-Werbung und „männlichen Blick“ mit Islamisten gegen die Opfer moslemischer Männergewalt verbünden, lässt den Viktorianismus als Hort der Humanität erscheinen. Die Preisgabe des Universalismus kommt dabei in der Sprache zu sich selbst. Während der bessere Teil der Zweiten Frauenbewegung, insbesondere die um die Zeitschrift „Die schwarze Botin“ versammelte Autorinnengruppe, eine „kalte“, sarkastische Diktion pflegte, die sich nicht zuletzt gegen den Gefühls- und Authentizitätskult des Schwestern-Feminismus wandte, sind deren Enkelinnen stolz darauf, weder Syntax noch Grammatik zu beherrschen, feiern die Einheit von Weiblichkeit, Dummheit und Stolz und halten es für Ideologiekritik, komplexen Satzbau als patriarchal zu entlarven.

Gegen solchen Geistesschutt soll der Vortrag daran erinnern, was die Zweite Frauenbewegung zwar nie in ihrer Mehrheit, aber mindestens am Rande auch war: Kritik am schon damals reaktionären feministischen Mainstream, und damit an allem, was heute von linken Kulturbetriebsnudeln abgefeiert wird: am Kult um „weibliches Schreiben“, an der Behauptung, Frauen verkörperten das „Andere“ des „männlichen Logos“, also eine Art lustig-chaotische Unvernunft, sowie an der Unterstellung, alle Mitglieder des weiblichen Geschlechts hätten allein durch diese Mitgliedschaft etwas Wesentliches gemeinsam. Demgegenüber einte die intelligenten Protagonisten der Zweiten Frauenbewegung das Bemühen, sich im Denken, Schreiben und Handeln an den avanciertesten Zeugnissen der westlichen Zivilisation zu messen, die aus Gründen, die der Geschichte jener Zivilisation inhärent sind, in der Hauptsache von Männern stammen. Dieses Bemühen schlug sich nicht nur in einer von weiblichen Autoren geschaffenen, aber eben nicht „weiblichen“ literarischen Moderne nieder, deren Protagonistinnen (von Friederike Mayröcker über Elfriede Jelinek bis Irmtraud Morgner, Gisela Elsner und Ingeborg Bachmann) unterschiedlichsten Generationen und Traditionen angehörten und deren Werke Genderfeministinnen meist nur vom Hörensagen kennen, sondern auch in einer Geschlechterforschung, die der Kritischen Theorie verpflichtet gegen jenen „Differenzfeminismus“ anging, dessen Verfallsform heute den Kulturbetrieb dominiert. Der emanzipative Impuls dieser Tradition wirkte bis in populäre Formen wie die anarcho-individualistischen Stücke des Grips-Theaters aus den 70er Jahren, deren Lieder mit Titeln wie „Wer sagt, dass Mädchen dümmer sind, der spinnt“ heute von grün-islamischen Elternbeiräten als eurozentrische Propaganda verdammt würden. In diesem Impuls lebte, gerade weil er die Erinnerung daran bewahrte, dass auch westeuropäische Denker vor nicht allzu langer Zeit ernsthaft die Frage diskutierten, „ob die Weiber Menschen seien“, die Idee der einen Menschheit fort. Der Post-, Pop- und Genderfeminismus dagegen antwortet auf eine gesellschaftliche Konstellation, die jene Idee nur noch als Hybris kennt, während die Mischung aus pampiger Wut, stolzer Borniertheit und permanentem Beleidigtsein, die die neuen Feministinnen als Soft Skills bei der Bewerbung um die sichersten Posten der Zivilgesellschaft in Anschlag bringen, zur passgenauen Charaktermaske des Staatsbürgers auf der Höhe der Zeit geworden ist. Wer solche gesellschaftliche Formierung bekämpfen will, muss notwendig auch bekämpfen, was heute Feminismus heißt.

Dr. Magnus Klaue ist seit 2015 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Simon-Dubnow-Institut an der Universität Leipzig. Er hat Germanistik, Philosophie, Theater- und Filmwissenschaft an der FU Berlin studiert und wurde 2008 mit seiner Dissertation »Poetischer Enthusiasmus. Else Lasker-Schülers Ästhetik der Kolportage« zum Dr. phil. promoviert. Von 2008 bis 2014 arbeitete er als freier Autor, Lektor und Redakteur in Berlin (u.a. für die Jungle World, konkret, Bahamas und FAZ).


Populismus als strategische Option?

Der Angriff der Antidemokraten und wie man ihm begegnen sollte.
Populismus_SalzbornVortrag | Mittwoch, 1. November 2017, 18 Uhr | Uni Trier, A9/10 | mit Prof. Dr. Samuel Salzborn

ACHTUNG! Wegen des Feiertages ist die Universität geschlossen. Zugang ist ausschließlich über den Haupteingang im A-Gebäude (der Eingang direkt am Informationspunkt / beim AB-Cafe) ab 17.30 Uhr möglich!

Seit Jahrzehnten zeigen empirische Untersuchungen, dass es in Deutschland einen konstanten Anteil von etwa einem Fünftel Antisemit*innen und einem Viertel Rassist*innen gibt. Kurzfristig können sich die Werte ändern, der antiaufklärerische Bodensatz ist aber stabil. Die meisten dieser Menschen fallen im Alltag nicht durch politische Aktivitäten auf, das Etikett »rechtsextrem« würden sie weit von sich weisen. Völkisch-nationalistische Einstellungen vertretend und Verschwörungstheorien anhängend, sind ihnen kritisches und rationales Denken genauso verhasst wie Gleichberechtigung. Diese Klientel hat in der AfD ihre politische Heimat gefunden. Die Partei vereinigt das gesamte antiaufklärerische Ressentiment in sich und wird dennoch im dominanten Diskurs nicht als rechtsextrem klassifiziert. Pointiert formuliert, gründet der Erfolg der AfD in dem Wunsch, rechtsextreme Positionen zu artikulieren, ohne »Nazi« genannt zu werden.

Ausgehend von dieser These wird entfaltet, in welchem Verhältnis Rechtsextremismus und Rechtspopulismus zueinander stehen, wie sie voneinander abzugrenzen und welche (fließenden) Übergänge auszumachen sind. Zu analysieren ist in diesem Kontext auch, wie sich die wie sich die rechten Homogenitätsfantasien aus völkischem Nationalismus, Rassismus, Antisemitismus und Antifeminismus gegen den Wesenskern der Demokratie, die Freiheit und Gleichheit der Menschen, stellen. Auf Basis dieser Analysen wird abschließend der Blick auf sinnvolle Strategien im Umgang mit der AfD gerichtet.

Prof. Dr. Samuel Salzborn ist apl. Professor am Institut für Politikwissenschaft der Universität Gießen. Veröffentlichungen u.a. »Angriff der Antidemokraten. Die völkische Rebellion der Neuen Rechten«, »Rechtsextremismus. Erscheinungsformen und Erklärungsansätze«, »Antisemitismus: Geschichte, Theorie, Empirie« und »Antisemitismus als negative Leitidee der Moderne. Sozialwissenschaftliche Theorien im Vergleich«.


Die Islamische Republik Iran

Eine stärker gewordene totalitäre Macht
22179887_844773599023663_5280473660898198546_oVortrag | Freitag, 24. November 2017, 18 Uhr | Uni Trier, A9/10 | mit Dr. Wahied Wahdat-Hagh

Aus den Krisen im Nahen Osten geht die Islamische Republik Iran als eine totalitäre Diktatur mit regionalen Hegemonialbestrebungen gestärkt hervor. Nicht nur werden nach innen weiterhin die Menschenrechte mit Füßen getreten, sondern auch nach außen und insbesondere in Irak und Syrien ist die militärische Macht des Iran stärker geworden.

Dr. Wahied Wahdat-Hagh ist Politikwissenschaftler und einer der kenntnisreichsten Iran-Experten in Deutschland. 2003 promovierte er zum Thema Die islamische Republik Iran. Die Herrschaft des politischen Islam als eine Spielart des Totalitarismus. Er arbeitete u. a. für das Middle East Media Research Institute (MEMRI), war Senior Fellow bei der European Foundation for Democracy (EFD) und gehörte dem ersten Unabhängigen Expertenkreis Antisemitismus für den Antisemitismusbericht des Deutschen Bundestages an. Er war Lehrbeauftragter an verschiedenen Hochschulen, zuletzt an der Freien Universität Berlin. Gegenwärtig arbeitet er als Übersetzer. Zum Iran hat er diverse Artikel und Bücher veröffentlicht.