Veranstaltungen


AntiRass-Events


Für alle Veranstaltungen gilt: gemäß Paragraph 6 Versammlungsgesetz sind Anhänger oder Vertreter rechter Parteien, Gruppen oder Kameradschaften sowie StörerInnen von der Veranstaltung ausgeschlossen.
Die Veranstaltungen richten sich an Studierende der Universität Trier.


Gruppendiskussion über Demokratie, Autoritarismus und Antisemitismus

Qualitative und quantitative Erhebungsinstrumente für antidemokratisches Denken am Frankfurter Institut für Sozialforschung von 1950-1975
autoritarismusVortrag und Diskussion | Mittwoch, 14. Juni 2017, 18 Uhr | Uni Trier, B17 | mit Dr. Johannes Platz

Dr. Johannes Platz zeigt an einer Reihe von Fallstudien den Umgang mit qualitativen und quantifizierenden Ansätzen in der empirischen Sozialforschung am Frankfurter Institut für Sozialforschung auf und erörtert die bisher in der Geschichtsschreibung der Kritischen Theorie nicht ausreichend beachtete Rolle von Theodor W. Adorno als Promotor und Mentor der Empirischen Sozialforschung in der jungen Bundesrepublik. Es geht dabei um die „Praxis der kritischen Theorie“ als einer Form von „action research“ (Max Horkheimer) bzw. einer Form intervenierender Sozialforschung.

Theodor W. Adornos Schülerinnen und Schüler untersuchten mit der Gruppendiskussionsmethode so unterschiedliche Gegenstände wie das antidemokratische Denken von Bewerbern beim Aufbau der Bundeswehr, das politische Bewusstsein der Spätheimkehrer aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft, das demokratische Potential und das Bekenntnis zur industriellen Demokratie von Industriearbeitern in Stahlindustrie und Bergbau sowie antisemitische Ressentiments von Arbeitern, Angestellten, Schülern, Studierenden und DDR-Flüchtlingen im Umfeld des Eichmann-Prozesses 1961.

Anknüpfen konnten Adorno und seine Schülerinnen und Schüler an die Forschungen zur Authoritarian Personality im Rahmen der im Exil entstandenen Studies in Prejudice im Auftrag des AJC sowie an die Erhebung „Antisemitism among American Workers“ im Auftrag des Jewish Labor Committes. Quellengrundlage der Fallstudien sind die Untersuchungen des remigrierten IfS, die als Monographien, Sammelbände und in Form von hektographierten Forschungsberichten vorliegenden Arbeiten sowie die Projektarchivalien im Archiv des Instituts für Sozialforschung in Frankfurt/Main.

Dr. Johannes Platz hat mit einer Arbeit über „Die Praxis der kritischen Theorie. Angewandte Sozialforschung in der jungen Bundesrepublik 1950-1960“ 2008 an der Universität Trier in Neuerer und Neuester Geschichte promoviert. Er arbeitet als Referent für Gewerkschaftsgeschichte im Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung Bonn. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der Gewerkschaftsgeschichte, der Geschichte der Arbeitswelten, der Geschichte des Antisemitismus und in der Wissenschaftsgeschichte (Schwerpunkte: Geschichte der Soziologie und Psychologie).


Pride

Filmnacht #8
Filmnacht-#8Filmnacht und Diskussion | Montag, 19. Juni 2017, 18.00 Uhr Einlass / 18.30 Uhr Beginn | Universität Trier, Studierendenhaus | mit Wolfgang Schmitt | in Kooperation mit dem Autonomen Referat für schwule, trans* und queere Identitäten Trier

Um gegen Zechenschließungen und Privatisierung zu kämpfen, die Margaret Thatchers Regierung beschlossen hat, treten auch die Bergarbeiter eines walisischen Dorfs in den Streik. Unerwartete und nicht unbedingt willkommene Unterstützung erhalten sie von einer kleinen schwul-lesbischen Aktivistengruppe aus London, die für die Kumpel Spenden sammelt. Als die urbanen Exoten das Dorf besuchen, schlagen Vorurteile durch, herrscht zunächst Distanz, bis man entdeckt, dass es weit mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede gibt.

Wolfgang Schmitt ist Germanist und u. a. bekannt durch seinen Youtube-Channel https://www.youtube.com/user/Filmanalyse

Vor Ort gibt es vegane und vegetarische Pizza, Snacks und Getränke zu erwerben.


Einführung in die Kritische Pädagogik

KritischePaedagogikVortrag und Diskussion | Donnerstag, 22. Juni 2017, 18 Uhr | Uni Trier, B21 | mit Prof. Dr. Eva Borst

Kritische Pädagogik antwortet auf die Widersprüche einer Gesellschaft, die sich zwar Bildungsgerechtigkeit auf die Fahne geschrieben hat, zugleich aber alles dafür tut, dieses vielbeschworene Ziel zu sabotieren. Dabei spielt nicht zuletzt die Bildungspolitik, eng verquickt mit den partikularen Interessen der Wirtschaft, eine entscheidende Rolle. Der Vortrag wird sich daher mit der Ökonomisierung der Bildung und den daraus resultierenden Folgen beschäftigen.

Prof. Dr. Eva Borst ist Privatdozentin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Erziehungswissenschaft der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.


Aleppo: Und wieder versagt der Westen

AleppoVortrag und Diskussion | Dienstag, 27. Juni 2017, 18 Uhr | Uni Trier, C10 | mit Thomas von der Osten-Sacken | in Kooperation mit dem Rosa Salon Trier

Als Ende Dezember 2016 Aleppo von Terroristen befreit wurde, wie es offiziell in Damaskus, Moskau und Teheran hieß, ging eine jahrelange blutige Belagerung zu Ende, bei der die Weltöffentlichkeit tatenlos zuschaute. Hatten Europa und die USA zu Beginn der Aufstände in Syrien noch erklärt, sie seien „Freunde Syriens“ und das Assad Regime müsse weg, so schauten sie doch dem Gemetzel bald nur tatenlos zu. In Aleppo kamen Faßbomben und Phosphor zum Einsatz, Krankenhäuser und Schulen wurden von der russischen und syrischen Luftwaffe gezielt bombardiert, währen die Verteidiger des eingeschlossenen Ostaleppos bald nur noch Hilfe aus Saudi Arabien und der Türkei erhielten. Mit den fatalen Folgen, dass islamistische Organisationen innerhalb der Opposition zusehends die Oberhand gewannen. Aleppo war ein Symbol in Syrien und mit dem Fall des Ostteils der Stadt erlitt die syrische Opposition einen schweren Schlag. Die „Befreiung“ allerdings war eine, an deren Spitze der General der iranischen Revolutionsgardisten Quasim Suleymani stand, die Bewohner wurden evakuiert und leben heute in Flüchtlingslagern. An dem Schicksal Aleppos zeigt sich, wie schmächlich der sog. Westen in Syrien versagt hat und welche fatalen Folgen dieses Versagen hat.

Thomas von der Osten Sacken ist Geschäftsführer der Hilfsorganisation Wadi e.V. und als solcher seit über 20 Jahren regelmäßig im Nahen Osten unterwegs. Er ist freier Publizist und schreibt u.a. für die Jungle World und Die Welt.


Die Massaker 1965/66 in Indonesien und ihre Folgen

indonesienVortrag und Diskussion | Donnerstag, 29. Juni 2017, 18 Uhr | Uni Trier, B12 | mit PD Dr. Andreas Ufen

In dem Vortrag geht es um die bis heute nicht vollkommen geklärten Ereignisse der Jahre 1965/66 und deren Auswirkungen bis in die Gegenwart hinein; also um den vereitelten Putschversuch im Oktober 1965, der einen Gegenputsch auslöste, die folgende systematische Ermordung Hunderttausender Kommunisten sowie die umstrittene Vergangenheitspolitik des Suharto-Regimes und der demokratisch gewählten Regierungen seit 1999.

PD Dr. Andreas Ufen ist Politologe und arbeitet seit 2000 am GIGA Institut für Asien-Studien in Hamburg. Von 2011 bis 2013 war er Vertretungsprofessor für Politische Wissenschaft an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Zu seinen Themenschwerpunkten zählen politische Parteien, Demokratisierung und das Verhältnis von Politik und Islam in Südostasien, insbesondere in Malaysia und Indonesien.


Argumentieren lernen gegen Stammtischparolen

Anmeldung per Email erforderlich!
workshop_ausgebuchtWorkshop | Freitag, 7. Juli 2017, 10.00 – 15.30 Uhr | Universität Trier, B21 | mit zwei ReferentInnen vom Netzwerk für Demokratie und Courage

Anmeldung per Email (Betreff: Argumentieren-Workshop) mit Angabe von Vorname und Alter an astaanti[ä]uni-trier.de nötig! Workshop ist ausgebucht! Ihr könnt euch aber noch auf die Warteliste setzen lassen.
Die Teilnahme ist kostenlos, die Plätze sind begrenzt. Es gibt eine Mittagspause, während der wir (gemeinsam) in die Mensa gehen können.

Auf der Arbeit, an der Uni, in der Kneipe oder beim Anstehen an der Kasse, nahezu überall in unserem Alltag begegnen uns derzeit Diskussionen, die mit Statements wie: „Ich bin ja kein Rassist, aber…“ beginnen. Und viele stellen sich die Frage, wie diesen rechten Stammtischparolen begegnen und entgegentreten?
In dem Workshop werden wir uns mit aktuellen Diskursen um Migration und Flucht beschäftigen und diesen auf rassistische Argumentationen hin untersuchen. Im Anschluss werden wir uns Argumentationsstrategien gegen rassistische und rechte Argumente erarbeiten und diese ausprobieren. Ziel ist, die eigene Handlungsfähigkeit in Diskussionen und Gesprächen zu erhöhen um sich gegen Rassismus positionieren zu können.

Das Netzwerk für Demokratie und Courage macht rassismuskritische Bildungsarbeit und bietet Projekttage zu den Themen Rassismus und Handlungsmöglichkeiten dagegen, Menschen verachtende Einstellungen, extreme Rechte und Antidiskriminierungsarbeit u.a. für Schulen an. Zudem ist es durch spezielle Angebote in der Fortbildung von Lehrer*innen und Multiplikator*innen tätig.


Der Vorleser

Filmnacht #9
Filmnacht-#9Filmnacht und Diskussion | Montag, 10. Juli 2017, 18.00 Uhr Einlass / 18.30 Uhr Beginn | Universität Trier, Studierendenhaus | mit Wolfgang Schmitt

Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers: Sie ist rätselhaft und viel älter als er. Und sie wird seine erste Leidenschaft. Eines Tages ist Hanna spurlos verschwunden. Erst Jahre später trifft Michael sie wieder – als Angeklagte im Gerichtssaal. Hier erfährt er von ihrem persönlichen Schicksal und von ihrer grausamen Vergangenheit als KZ-Aufseherin. Am Ende wird er sie durch seine nie verloren gegangene Zuneigung erlösen.

Wolfgang Schmitt ist Germanist und u. a. bekannt durch seinen Youtube-Channel https://www.youtube.com/user/Filmanalyse

Vor Ort gibt es vegane und vegetarische Pizza, Snacks und Getränke zu erwerben.


Gedenkstättenfahrt ins ehemalige Konzentrationslager Hinzert

Anmeldung per E-Mail erforderlich!
HinzertVorbereitungsveranstaltung und Fahrt | Mittwoch, 19. Juli 2017, 18 Uhr (B17) und Donnerstag, 20. Juli 2017, 11 Uhr (C-Parkplatz) | mit Georg Mertes (Gedenkstätte KZ Hinzert) und Dr. Thomas Grotum (FB III – Neuere und Neueste Geschichte)
Besichtigt mit dem Referat für Antirassismus und Antifaschismus, Georg Mertes (Gedenkstätte KZ Hinzert) und Dr. Thomas Grotum (FB Neuere und Neueste Geschichte) das SS-Sonderlager in Hinzert; ein wichtiges Stück Zeitgeschichte im Trierer Umland.

Ursprünglich als „Umerziehungslager“ der Nationalsozialisten konzipiert, wandelte sich das 1939 eingerichtete Lager schon bald zu einem Umverteilungs-/Arbeitserziehungslager, in dem bis zu 1200 Menschen gleichzeitig inhaftiert gewesen waren. Obwohl das Lager nicht zur Vernichtung von tatsächlichen oder vermeintlichen Regimegegnern angelegt worden war, führten die Lagerbedingungen trotzdem zu zahlreichen Todesfällen unter den Inhaftierten Oppositionellen, Kritikern und Widerstandskämpfern, vornehmlich luxemburgischer sowie französischer Herkunft.

Zusammen mit den beiden Experten möchten wir an zwei Tagen die Geschichte des Lagers in Hinzert anschaulich machen und laden zur eingehenden Reflexion ein.

Ablauf:
1. Vorbesprechung am 19. Juli, 18 Uhr, B17.
2. Fahrt in das ehemalige KZ Hinzert am 20. Juli, Abfahrt: 11 Uhr Universitätsparkplatz C mit einem Bus.
3. Führung mit Herrn Mertes und Dr. Thomas Grotum, ca. 12-14.30 Uhr.
4. Rückfahrt: ca. 15 Uhr
5. Gemeinsame Reflexion: ca. 16 Uhr

Die Fahrt ist für Studierende kostenlos. Busfahrt sowie Lunchpakete werden von uns übernommen.

Anmeldungen für die Fahrt bitte _verbindlich_ an astaanti@uni-trier.de. Eine kurze Nachricht mit Vor- und Zuname des/der Teilnehmerin reicht dabei vollkommen. Bitte beachtet, dass sowohl die Vorbesprechung als auch die anschließende Reflexion Teil des Programms sind! Die Plätze sind begrenzt.

Anmeldeschluss für die Veranstaltung ist Mittwoch, 12. Juli 2016.


Harry Potter, TKKG und Fußball-WM. Zur Kritik des Postnazismus

PostnazismusTagung | Samstag, 2. September 2017, 15-20 Uhr | Uni Trier, A9/10 | mit Melanie Babenhauserheide, Dierck Wittenberg, Volker Beeck und Jean-Philipp Baeck | in Kooperation mit dem Queerfeministischen Frauenreferat und dem Referat Ausländischer Studierender

Der Begriff des Postnazismus versucht die Tatsache zu fassen, dass 1945 zwar dem Morden ein Ende bereitet wurde, die vielbeschworene „Stunde Null“ aber nicht stattgefunden hat. In den nachnationalsozialistischen Demokratien wirkten bzw. wirken zentrale NS-Ideologien nach (Sitchwortartig umrissen: Antisemitismus, Antiamerikanismus und Antibolschewismus, ein ausgeprägtes Freund-Feind-Denken, die Fixierung auf den Staat und die Obrigkeit, Konformismus und übertriebene Harmoniesucht, Autoritarismus und Antipluralismus, Antiintellektualismus und Irrationalismus, preußische Ordnungsliebe und die Schwäche der Männer für militärische Disziplin), was sich auch an der (Pop-)kultur aufzeigen lässt. Der Frage inwiefern diese Ideologien auch noch heute noch nachleben möchten wir mit dieser Tagung nachgehen – an Hand von drei Beispielen.

(I) Von der Irritation zum Einklang? Über Subversion in der Popkultur und ihr Verschwinden

Seit seinen Anfängen als Jugendkultur war Pop ein Geschäftsfeld, in dem Versprechen von Glück und Freiheit gehandelt wurden. Diesen Versprechen folgend trat Popmusik immer wieder auch in Opposition zu überkommenen Normen, insbesondere zur spießigen Sexualmoral der fünfziger und sechziger Jahre – ein widerständig-irritierendes Potenzial, dem im Nachkriegsdeutschland eine besondere Sprengkraft zukam. Das scheint Popmusik inzwischen aber weitgehend eingebüßt zu haben. Dieser Veränderung, ihren Gründen und wie sie m.E. beispielhaft in den Musikevents rund um die Fußballweltmeisterschaft 2006 zum Ausdruck kam, will ich in meinem Vortrag nachgehen.

Dierck Wittenberg ist Politik- und Kulturwissenschaftler. Veröffentlichungen u.a.: „Die Mühlen des Rock und die Diskurse des Pop. Überlegungen zum Schreiben über Popmusik in Intro, Spex und Visions“, in: Jochen Bonz / Michael Büscher / Johannes Springer (Hg.): Popjournalismus. Mainz 2005 (Ventil). Zusammen mit Eric Peters: „Stars Down to Earth. Über das Verhältnis von Pop, Nation und Künstlersubjekt in Zeiten neuen deutschen Selbstbewusstseins“, in: Kittkritik (Hg.): Deutschlandwunder. Wunsch und Wahn in der postnazistischen Kultur, Mainz 2007 (Ventil), „Todes-Folgen. Einige Beobachtungen zum Tod in Six Feet Under“, in: Extrablatt. Zeitschrift aus Gründen gegen fast Alles“ Nr. 8 (2012).

(II) Mit Judo gegen Wodka Bruno, Miethai Zinse und Dr. Mubase. TKKG – ein postnazistischer Jugendkrimi

In Buch- und Hörspielform macht im deutschen Jugendkrimi „TKKG“ der Bandenchef Tarzan seit 1979 seine Gefolgsleute durch geistige und körperliche Überlegenheit überflüssig. Gottgleich ist er für die jugendlichen Leser weniger Identifikationsfigur als virtueller Führer. Zur Aufrechterhaltung der gesellschaftlichen Ordnung löst Tarzan seine Fälle mit Hilfe des Faustrechts, verprügelt die, durch Hakennasen oder fremde Namen gekennzeichneten Dealer und andere Bösewichte. Der Beitrag zeigt, inwiefern TKKG Prototyp eines postfaschistischen Kinderkrimis ist und geht auf den Subjektverfall in der postfaschistischen Gesellschaft, anhand des Geschlechterverhältnisses zwischen Gabi und Tarzan, den rassistischen und antisemitischen Bedrohungszenarien einer Welt voll dunkler Machenschaften ein, in der sich die Masse nur durch Anlehnung an einen Führer wie Tarzan behaupten kann.

Jean-Philipp Baeck ist Soziologe und Kulturwissenschaftler. Zusammen mit Volker Beeck hat er einen gleichnahmigen Aufsatz veröffentlicht. In: Kittkritik (Hg.): Deutschlandwunder. Wunsch und Wahn in der postnazistischen Kultur, Mainz 2007 (Ventil).

Von Familienstolz, magischem Blut und Bank-Kobolden. Harry Potter und das Erbe des Nationalsozialismus

Auf den ersten Blick gibt sich die Harry Potter-Reihe antifaschistisch: Abstammungslogik und Blutsreinheitsphantasien werden nicht nur oberflächlich durch den Plot über den Oberbösewicht und seine AnhängerInnen als bekämpfenswert dargestellt, sondern mit repressiven, einengenden und patriarchalen Familienstrukturen verknüpft, deren literarische Problematisierung an die Ablösungswünsche der adoleszenten LeserInnenschaft rühren. Zugleich fallen jedoch bei genauerer Analyse Widersprüche der Erzählung auf, die gegenläufige Tendenzen erkennen lassen: Es erweist sich daher als problematisch, wenn etwa die Romane von PädagogInnen unvermittelt als Aufhänger für eine Auseinandersetzung mit Antisemitismus, Rassismus und Nazismus herangezogen werden.

Melanie Babenhauserheide ist Erziehungswissenschaftlerin an der Universität Bielefeld und hat zur Ideologie in der Harry Potter-Reihe promoviert.


Gedenkstättenfahrt ins ehemalige Vernichtungslager Auschwitz

Anmeldung per E-Mail erforderlich! / 50€ Selbstbeteiligung und Verpflegung auf eigene Kosten vor Ort
gedenkstaettenfahrtauschwitzVorbereitungsveranstaltung und Fahrt | Mittwoch, 19. Juli 2017, 18 Uhr (B17) und Donnerstag, 20. Juli 2017, 11 Uhr (C-Parkplatz) | mit Dr. Thomas Grotum (FB III – Neuere und Neueste Geschichte) | in Kooperation mit dem Autonomen Referat für schwule, trans* und queere Identitäten, dem Queerfeministischen Frauenreferat, dem Autonomen Referat Ausländischer Studierender, dem Referat für politische Bildung, dem Autonomen Referat Behinderter und chronisch Kranker und dem Kulturreferat.

Um euch für die Fahrt anzumelden, sendet ihr bitte eine kurze und formlose Mail an astaanti[äht]uni-trier.de und teilt uns dort euren Namen und eure Matrikelnummer mit; bitte teilt uns auch mit, ob ihr schon einmal an einer ähnlichen Fahrt teilgenommen habt und wenn ja, in welcher Form.

Bitte beachtet, dass die Anmeldung bindend ist!

Für Mitreisende wird aufgrund der hohen Kosten eine Teilnehmerpauschale in Höhe von 50 Euro erhoben. Zusätzlich fallen kleinere Fahrtkostenbeträge in Polen selbst sowie Verpflegungskosten an (Frühstück ist in unserer Pension inbegriffen). Die Teilnehmerpauschale wird auf der Vorbesprechungen am 27. Juli fällig (Im Härtefall können die 50 Euro auch in einer unserer Sprechstunden nachgereicht werden; bitte kündigt dies so früh wie möglich an).

Insgesamt können an der Gedenkstättenfahrt 11 Studierende teilnehmen, also sendet uns bitte möglichst bald eine Email. Sollten mehr Bewerberinnen als vakante Plätze existieren, sind wir leider gezwungen zu losen.

Das Programm könnt ihr hier herunterladen [PDF]. Das Programm ist dabei – bis auf wenige, als solche gekennzeichnete Ausnahmen – verpflichtend!

Wir freuen uns auf eure Teilnahme!


Die theoretischen Grundlagen des Rechts- und Linkspopulismus

PopulismusTagesseminar | Mittwoch, 15. November 2017, 11-18 Uhr | Uni Trier, Raum folgt | mit Dr. Ingo Elbe

Seminarinhalte:
1) Was ist Populismus? Allgemeine Kriterien 2) Demokratie von rechts? Carl Schmitt als Vordenker des Rechtspopulismus 3) Gibt es einen Linkspopulismus? Die politische Theorie von Chantal Mouffe und Ernesto Laclau 4) Autoritärer Charakter und populistische Agitation. Erklärung und Kritik populistischer Ideologien in der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule

Populistische Bewegungen sind weltweit auf dem Vormarsch. Gegen ‚die korrupten Eliten‘ wird an den ‚wahren Volkswillen‘ appelliert, der nicht durch formale Wahlverfahren ermittelt wird und dessen Inhalt die populistischen Führerinnen und Führer letztlich eigenmächtig und autoritär festlegen. Das Seminar gibt einen Überblick über prominente Theorien des Rechtspopulismus und ihrer linkspopulistischen Gegenspieler. Im Zentrum stehen dabei die Fragen, welche antiparlamentarischen und antidemokratischen Elemente rechtspopulistische Anrufungen des Volkes transportieren, welche Strategien rechtspopulistische Agitatoren verwenden und wie der Aufstieg des Rechtspopulismus überhaupt zu erklären ist. Dabei wird zunächst der Beitrag von Carl Schmitt, dem Vordenker des Rechtspopulismus und einer faschistischen Artikulation des Demokratiebegriffs, untersucht. Auf dieser Grundlage werden die ProtagonistInnen des aktuellen Linkspopulismus, Chantal Mouffe und Ernesto Laclau, vorgestellt, deren Begriff des Politischen und ‚postmarxistische‘ Theorie des Populismus von Bewegungen wie Syriza oder Podemos aufgegriffen wurden. Es wird die Frage gestellt, in welchem Verhältnis diese linkspopulistischen Theorien zum Rechtspopulismus stehen und ob sie eine brauchbare Alternative zu diesem darstellen. Insbesondere das Phänomen einer an Laclau und Mouffe anknüpfenden ideologischen Querfront, einer „productive convergence of the far Right and the far Left“, wie es eine amerikanische Philosophin mit begeisterter Zustimmung ausdrückt, soll kritisch thematisiert werden. Schließlich wird mit Rekurs auf die Theorie des autoritären Charakters von Erich Fromm und Theodor W. Adorno sowie Leo Löwenthals Analyse faschistischer Agitatoren ein weiterer Erklärungsansatz für rechtspopulistische Ideologien, Bewegungen und Strategien vorgestellt, der jeden Populismus als antiemanzipatorisch kritisiert.

Dr. Ingo Elbe ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und Privatdozent an der Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg. Letzte Publikationen zum Thema: Paradigmen anonymer Herrschaft. Politische Philosophie von Hobbes bis Arendt. Würzburg 2015; Rezension zu Jan-Werner Müller: Was ist Populismus? Ein Essay. http://www.rote-ruhr-uni.com/cms/Jan-Werner-Muller-Was-ist.html; „Politische Macht, Faschismus und Ideologie. Ernesto Laclaus Auseinandersetzung mit Nicos Poulantzas“. In: A. Hetzel (Hg.): Radikale Demokratie. Zum Staatsverständnis von Chantal Mouffe und Ernesto Laclau. Baden-Baden 2017